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Für Ärzte Brust- und Eierstockkrebs
Hereditäres Mamma- und Ovarialkarzinom
HBOC

Brust- und Eierstockkrebs

Etwa 8-12% aller Frauen erkranken im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Damit ist Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung der Frau. Der größte Teil der Brustkrebserkrankungen ist nicht unmittelbar erblich bedingt und tritt nach dem 60. Lebensjahr auf. Allerdings liegt bei etwa 10% der Patientinnen eine genetische Veränderung in einem Brustkrebs verursachenden Gen vor. Bei dieser erblichen Form kann die Erkrankung bereits sehr früh, meist vor dem 50. Lebensjahr, manchmal sogar schon vor dem 30. Lebensjahr auftreten. Typischerweise sind in betroffenen Familien mehrere Frauen an Brustkrebs aber auch an Eierstockkrebs erkrankt. Bei männlichen Verwandten können Prostata- und ebenfalls Brustkrebs auftreten.

Bei etwa ein Viertel der Patienten, die die klinischen und familiären Einschlusskriterien des HBOC erfüllen (siehe Tabelle unten), liegt eine Mutation in den Genen BRCA1 und BRCA2 vor. Krankheitsverursachende Veränderungen in beiden Genen steigern das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs bis zu 20fach; laut zahlreichen Studien können aber auch Pankreas-, Magen- und kolorektale Karzinome bei Anlageträgern auftreten. Bei weiteren ca. 5% der Patienten können krankheitsverursachende Mutationen in den Genen CHEK2, PALB2 oder RAD51C vorliegen, die das Risiko für einen Brustkrebs moderat bis zu 5fach erhöhen können. Seltener sind Mutationen in den Genen TP53, CDH1, ATM, BRIP1 und RAD51D beschrieben (je <1% der Betroffenen).

Welche Familienkonstellationen sind charakteristisch?

Indikationen für eine genetische Beratung sowie Untersuchung der Brust- und Eierstockkrebs verursachenden Gene:

  • Mindestens 3 Frauen der Familie an Brustkrebs erkrankt, unabhängig vom Alter
  • Mindestens 2 Frauen der Familie an Brustkrebs erkrankt, davon 1 vor dem 51. Lebensjahr
  • 1 Frau mit Brustkrebs, die vor dem 36. Lebensjahr erkrankt ist
  • 1 Frau mit beidseitigem Brustkrebs, die Ersterkrankung vor dem 51. Lebensjahr
  • 1 Frau mit Brust- und Eierstockkrebs
  • 1 Frau mit Brust- und 1 Frau mit Eierstockkrebs
  • 1 Frau mit Eierstockkrebs vor dem 80. Lebensjahr
  • 1 Mann mit Brustkrebs und eine Frau mit Brust- oder Eierstockkrebs
  • Ein triple-negatives Mammakarzinom bei Diagnose vor dem 51. Lebensjahr

Vererbung von familiärem Brust- und Eierstockkrebs

Der erbliche Brust- und Eierstockkrebs wird autosomal-dominant vererbt. Somit besteht ein 50%-iges Risiko für Nachkommen, das veränderte Gen zu erben und damit ein erhöhtes Risiko für HBOC (Hereditäres Mamma- und Ovarialkarzinom) sowie weitere Tumorerkrankungen.

Intensivierte Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen

Intensivierte Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen bei Nachweis krankheitsverursachender Mutation in einem Brustkrebs-Gen

Frauen mit nachgewiesener Mutation in einem der HBOC-Gene wird eine sog. intensivierte Vorsorge empfohlen, die ab dem 25. Lebensjahr oder in Familien mit noch früher aufgetretenen Erkrankungen 5 Jahre vor dem jüngsten Erkrankungsalter in der Familie beginnt.
Als Präventionsmaßnahmen für Mutationsträgerinnen der Hochrisikogene BRCA1 und BRCA2 kommt auch die prophylaktische Entfernung des Brustdrüsengewebes oder der Eierstöcke in Betracht. Die Entfernung der Eierstöcke senkt nicht nur das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken, sondern auch das Risiko für eine (weitere) Brustkrebserkrankung. Bei Genveränderungen in den moderaten Risikogenen sind vorbeugende Operationen nur in Einzelfällen indiziert.

Anforderung des Gentests

Die Materialabnahme sollte am besten im Rahmen einer Genetischen Beratung durchgeführt werden. An mehreren Standorten in Deutschland können Patienten Termine in unseren genetischen Sprechstunden vereinbaren. Alternativ kann bei Verdacht auf HBOC oder bei einem prädiktiven Fall im Rahmen einer fachgebundenen genetischen Beratung die Untersuchung direkt durch die behandelnden Frauenärztinnen und Frauenärzten initiiert werden. Hierzu bitten wir um die Übersendung von 5–10 ml EDTA-Blut.

Bitte verwenden Sie hierfür unseren speziell für HBOC aufgelegten Anforderungsschein, um weitere für eine dezidierte Befundung notwendige Daten mitzuteilen.

 

Welcher diagnostischer Vorgang wird bei Verdacht durchgeführt?

Nach den Vorgaben des EBM für humangenetische Leistungen (gültig seit Juli 2016) wird die folgende Stufendiagnostik bei Verdacht auf ein HBOC durchgeführt:

  • Stufe 1 (EBM Ziffer 11440): Mutationsanalyse der Gene BRCA1, BRCA2, CHEK2, PALB2, RAD51C
  • Stufe 2 (*nur nach schriftlicher Zusage der KV durchführbar): Mutationsanalyse der Gene ATM, CDH1, BRIP1, RAD51D, TP53

Methodik

Next Generation Sequencing (NGS) als Panel-Diagnostik mit den oben aufgelisteten Genen; Nachweis von intragenischen Varianten und Mutationen und von grösseren DNA-Deletionen/Duplikationen.

Therapie mit dem PARP-Inhibitor Olaparib bei einer BRCA1/2 Mutation

Bisher waren PARP-Inhibitoren in Europa nur zur Behandlung des Ovarialkarzinoms zugelassen.
Der PARP-Inhibitor Olaparib wurde erst kürzlich für die Monotherapie zur Behandlung von Patienten mit Keimbahn BRCA1/2-Mutationen mit HER2-negativem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs zugelassen.