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Gen-Panels fürKlinische Bereiche

Klinischer BereichRheumatologie

Hinweise zum Klinischen Bereich

Hier finden Sie die für den oben angegebenen Klinischen Bereich verfügbaren krankheitsbezogenen Genpanels.

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Rheumatologie und Genetik

Mittels molekulargenetischer Diagnostik werden die erblichen Ursachen tausender genetisch bedingter Erkrankungen abgeklärt. Das Ziel ist hierbei, Abweichungen vom Referenzgenom („Wildtyp“) festzustellen und dann ggf. zwischen neutralen Varianten und pathogenen Mutationen zu unterscheiden, die für die physiologische Entwicklung und störungsfreie Funktion des Knochen und Gelenken von Bedeutung sind. Die Vererbungsmuster genetisch bedingter Erkrankungen stellen die Grundlagen der genetischen Beratung dar für die Patienten, Risikopersonen und betroffene Familien. In den letzten 30 Jahren wurden sukzessive tausende von Genen charakterisiert, die erbliche Erkrankungen hervorrufen bzw. zur Entwicklung genetischer Leiden beitragen. Aktuelle Ergebnisse der genetischen Forschung wirken sich unmittelbar auf das diagnostische Vorgehen im Labor und in der Aufklärung bzw. Beratung aus.

Formalgenetik und Ätiologie

Formalgenetisch und ätiologisch lassen sich folgende Gruppen genetischer Erkrankungen unterscheiden:

  • monogene Erkrankungen (autosomale oder X-chromosomale Vererbung)
  • mitochondriale Erkrankungen (maternale oder autosomale Vererbung)
  • multifaktoriell bedingte Erkrankungen (Interaktion von mehreren bis vielen Genen plus Umwelt-Faktoren)

DNA-Diagnostik umfasst daher oftmals ein gestuftes Vorgehen, in dem zunächst die häufigsten Mutationen getestet werden, bevor durch umfangreiche und kostenintensivere panel-Verfahren auch die ganz seltenen genetischen Ursachen in parallelen Ansätzen eruiert werden. Aufgefundene Mutationen bzw. alle Varianten mit unklarer Bedeutung (VUS) werden durch DNA-Sequenzanalyse mit Sanger-Technologie verifiziert.

Morbus Bechterew

Genaue Ursachen des M. Bechterew sind unbekannt, von autoimmunologisch ausgelösten Entzündungsreaktionen ist auszugehen. Eine technisch weniger aufwändige DNA-Diagnostik ist bei Verdacht auf Morbus Bechterew möglich: Es existiert hierbei keine eigentliche krankheitsauslösende Mutation, sondern lediglich eine statistische Assoziation mit dem HLA-B27 Allel. Diese Allele sind bei 96% der Bechterew-Patienten nachweisbar, in der gesunden Gesamt-bevölkerung nur bei 8%. Auch bei M. Bechterew könnten sich Infektionen bahnend auswirken, ebenso wie extreme Temperatureinwirkungen und körperliche oder seelische Belastungen, also offensichtlich eine multifaktorielle Pathogenese.

Hämochromatosen

Hämochromatose ist durch Akkumulation von Eisen mit Gewebeschäden hervorgerufen, gefolgt von systemischen Symptomen durch Lebererkrankungen, Kardiomyopathie, Diabetes, Gelenkerkrankungen usw. Die Diagnostik erfolgt zunächst anhand von HFE-Genmutationen. 70% der Patienten mit homozygoter C282Y Mutationen im HFE-Gen zeigen erhöhte Ferritin-Spiegel, und 10% dieser Patienten weisen auch Organfunktionsstörungen auf. Hämochromatosen vom Typ IIA (HJV-Mutationen), IIB (HAMP), III (TFR2), IV (SLC40A1) und V (FTH1) sind deutlich seltener. Alle Gene dieser Unterformen sind in einem kombinierten panel eingeschlossen, incl. des sog modifier Gens BMP2, welches z.B. bei Typ 1 die Penetranz mit reguliert.

Hormonstörungen

Genetisch bedingte Überfunktionen der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus), der Schilddrüse (Hyperthyreose) und infolge von Diabetes mellitus führen ebenfalls zu rheumatischen Erkrankungen der Weichteile.

Weitere multifaktoriell-rheumatologische Erkrankungen

Die meisten häufigen rheumatischen Leiden sind nicht mit direkter DNA-Diagnostik anzugehen. Erbliche Zusammenhänge sind zwar mitunter auch offenkundig, allerdings nur experimentell mit sehr großem Aufwand nachzuweisen. Viele Prozesse im Muskel und den Weichteilen sind an rheumatologischen Geschehen beteiligt, die Beiträge einzelner Gene sind aber zumeist eher gering. Die Verdachtsregionen im Erbgut gehen im Grundrauschen genetischer Unterschiede unter, wenn nicht Stichproben von Abertausenden von gut charakterisierten Patienten und gesunden Kontrollpersonen herangezogen werden.