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Hinweise zur genetischen Beratung nach GenDG

Das Gendiagnostik-Gesetz (GenDG) und eine Richtlinie der Gendiagnostik-Kommission (GeKo) regeln die Anforderungen an die Genetische Beratung


Was sagt das Gesetz?
Eine Genetische Beratung ist nach §10 Abs. 2 GenDG dann durchzuführen, wenn es sich um eine prädiktive genetische Diagnostik handelt. Hierbei ist eine Beratung vor der Untersuchung und zur Befundmitteilung vorgeschrieben, sofern die jeweiligen Patienten nicht schriftlich darauf verzichten. Diese genetischen Beratungen sind nur durch qualifizierte Ärzte durchzuführen, also entweder Fachärzte für Humangenetik, Fachärzte mit Zusatzbezeichnung Medizinische Genetik oder im Rahmen ihres Fachgebietes für genetische Beratung qualifizierte Ärzte.

Welche Besonderheiten bestehen für pränatale Untersuchungen?
Eine besondere Regelung sieht der §15 GenDG für die pränatale Diagnostik vor: entsprechend §10 GenDG ist hier ebenfalls vor der Untersuchung und zur Befundmitteilung genetisch zu beraten.
Die Richtlinie der Gendiagnostik-Kommission sieht hierfür allerdings zwei unterschiedliche Anforderungen vor.

  • Sofern ein pränatales Screening, z.B. das Ersttrimester-Screening (ETS) durchgeführt wird, muss die verantwortliche ärztliche Person für die genetische Beratung im Kontext der vorgeburtlichen Risikoabklärung qualifiziert sein (umgangssprachlich: kleiner Schein, für den die Wissenskontrolle 10 Fragen vorsieht). Das nach bestandener Prüfung ausgestellte Zertifikat weist dies explizit aus.
  • Sofern eine Untersuchung der fetalen DNA im mütterlichen Blut (NIPT) vorgenommen wird, muss die verantwortliche ärztliche Person für die fachgebundene genetische Beratung (hier: Gynäkologinnen und Gynäkologen) qualifiziert sein (umgangssprachlich: großer Schein, für den die Wissenskontrolle 20 Fragen vorsieht). Das nach bestandener Prüfung ausgestellte Zertifikat weist dies explizit aus.


Hieraus und auch aus einer offiziellen Mitteilung der Gendiagnostik-Kommisiion ergibt sich, dass Ärztinnen und Ärzte, die sich für die genetische Beratung im Kontext der vorgeburtlichen Risikoabklärung qualifiziert haben, keine Qualifikation zur genetischen Beratung bei Durchführung des NIPT haben. Diese Kolleginnen und Kollegen müssen die Qualifikation zusätzlich erwerben.

Wissenskontrolle mit oder ohne Kursus?
Die Regelungen zum Erwerb der Qualifikation zur fachgebundenen genetischen Beratung ermöglichen mit Stand Oktober 2016 jeder/m Ärztin/Arzt, deren/dessen Erwerb der Facharztanerkennung im jeweiligen Gebiet fünf Jahre zurück liegt, eine unmittelbare Teilnahme an der Wissenskontrolle ohne Verpflichtung zu einem vorangehenden Kurs (obwohl hier als Minimalanforderung ein sog. Refresherkurs sinnvoll wäre).
Alle Ärztinnen und Ärzte, die noch nicht fünf Jahre Facharzt sind, müssen einen 72-Stunden-Kurs bei einem entsprechenden Kursanbieter mit anschließender Wissenskontrolle belegen.

Unsere Empfehlung
Mit Stand Oktober 2016 kann nicht mehr empfohlen werden, sich nur für die genetische Beratung im Kontext der vorgeburtlichen Risikoabklärung zu qualifizieren. Es wird ausdrücklich empfohlen, sich für die fachgebundene genetische Beratung zu qualifizieren, die nach gesetzlicher Vorgabe und Richtlinie der Gendiagnostik-Kommission keine Einschränkungen im Rahmen des jeweiligen Fachgebietes vorsieht.