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NAT2

Pharmakogenetik: Acetylierer-Status

NAT2 (N-Acetyl-Transferase Typ 2) [a]

OMIM-Nummer 243400

Klinisch-genetische Grundlagen:

N-Acetyltransferasen (NAT1 und NAT2) sind im Stoffwechsel für die Detoxifizierung von Xenobiotika durch Acetylierung verschiedener funktioneller Gruppen zuständig (sog. Phase II-Stoffwechsel). NAT2 hat in der kaukasischen Bevölkerung durch genetische Polymorphismen unterschiedliche katalytische Eigenschaften. Sogenannte "langsame Acetylierer" (SA-Phänotyp) finden sich mit einer Häufigkeit von 40- 70% in Europa (Achtung : starke ethnische Unterschiede). Träger von bestimmten Allelen (z.B. NAT2*5a/b, *6a, *7a/b, *14a) können toxisch bedingte Nebenwirkungen bei NAT2-vermittelten Reaktionen entwickeln. Arzneimittel wie Naphtylamin, Benzinidin, Isoniazid, Sulfonamide oder Hydralazin sind zu berücksichtigen. Folgende unerwartete Nebenwirkungen (UAW) können aufreten:
- periphere Neuropathien bei langsamen Acetylierern unter Isoniazidtherapie
- Hypersensitivität unter Sulfonamiden bei schnellen Acetylierern
- Leukopenie unter Amonafid (Chemotherapie) bei schnellen Acetylierern

Die Analyse des NAT2-Genotyps liefert eine wichtige Information zur Entgiftungskapazität des Patienten. Diese kann aber nur als eine Teilinformation angesehen werden, da nach derzeitigem Kenntnisstand auch noch einige andere Enzymsystem an der Detoxifizierung beteiligt sind.


Erbgang: autosomal rezessiv

Indikation:

erhöhte Schadstoffexposition (z.B. Karzinogene), arbeitsmedizinische Fragestellungen (z.B. als Suszeptibilitätsmarker für Aminoaromate), Medikamentenunverträglichkeiten (z.B. Isoniazid, Sulfonamide)

Achtung: Nähere Angaben zu den Medikamenten und der Art der Unverträglichkeit sind bei Anforderung erforderlich.


Material und Transportbedingungen: 3ml EDTA-Blut oder Mundschleimhautabstriche bei Raumtemperatur

Dauer der Untersuchung:
2-4 Wochen, abhängig vom Untersuchungsumfang

Diagnostisches Verfahren:
- Isolierung genomischer DNA aus EDTA-Blut bzw. Mundscheinhautabstrichen
- Amplifikation der entsprechenden Genabschnitte mittels Polymerase-Kettenreaktion (
PCR)
- Komplett-Sequenzierung mittels doppelsträngiger DNA-Sequenzierung.