Sie sind hier: Startseite / Genetik / Leistungsverzeichnis-gesamt / HNPCC

HNPCC

Erblicher Dickdarmkrebs

Hereditary non-polyposis colon carcinoma (HNPCC), Erblicher Dickdarmkrebs [a]


OMIM-Nummer: 120435

Klinisch-genetische Grundlagen:

In Deutschland wird mit mehr als 50.000 Neuerkrankungen an kolorektalen Karzinomen pro Jahr gerechnet. Etwa 5% hiervon sind erblich bedingt. Das entspricht einer Zahl von 2500 Fällen/Jahr, bei denen mit erheblichen Konsequenzen für die Patienten selbst, aber auch für deren Verwandte zu rechnen ist. Das Erkrankungsalter liegt oftmals vor dem 50. Lebensjahr. Diese Patienten haben ein zusätzlich erhöhtes Risiko für extrakolonische Neoplasien. Etwa 5-8% aller kolorektalen Karzinome treten im Rahmen eines HNPCC-Syndroms (hereditary non-polyposis colon carcinoma) auf. HNPCC-Anlageträger haben ein bis zu 80%-iges Risiko, an einem kolorektalen Karzinom zu erkranken. Hinzu kommt das Risiko für Neoplasien wie z.B. Endometrium- (40-60%), Ovarial-, Magen- (15%) und Dünndarmkarzimom sowie Urothelkarzinome (5-10%). Die Tumorentstehung bei Anlageträgern für HNPCC steht in Verbindung mit Mutationen in den Mismatch-Repair-Genen (z.B. MLH1, MSH2, MSH6, MLH3, PMS1, PMS2). Diese Gene bzw. deren Produkte sind an der Reparatur der DNA beteiligt. Aufgrund von Fehlern bei der DNA-Reparatur entstehen Sequenzveränderungen in sog. repetitiven DNA-Fragmenten (Mikrosatelliten). Eine Abweichung vom normalen Muster in solchen Genbereichen wird als Mikrosatelliten-Instabilität (MSI) bezeichnet. Kolorektale Tumore, bei denen eine MSI nachgewiesen wird, sind verdächtig auf das Vorliegen eines HNPCC. Tumoren von HNPCC-Patienten weisen in über 80% MSI auf. Bis zu 16% nicht-HNPCC-assozierter Tumorerkrankungen zeigen ebenfalls eine MSI. Die Untersuchung auf das Vorliegen einer MSI ist daher als Screening-Methode einsetzbar und sollte durch die immunhistochemische Untersuchung des Tumorgewebes auf die Expression der Mismatch-Repair-Gene ergänzt werden. In indizierten Fällen schliesst sich die DNA-Sequenzanalyse der o.g. Mismatch-Repair-Gene an. In jedem Fall sollte bei Nachweis eines Genträgerstatus für ein hereditäres Kolonkarzinom eine genetische Beratung der Patienten erfolgen.

Häufigkeit:
5-10% der Kolonkarzinome (Neuerkrankungen ca. 57.000/Jahr in Deutschland)

Erbgang: autosomal dominant.

Indikation:
Verdacht auf HNPCC entsprechend der Amsterdam 1- oder der Bethesda 2-Kriterien; erfüllt sein sollten die Amsterdam Kriterien oder eines der Bethesda Kriterien:

(A) Amsterdam Kriterien
1) Mindestens drei Familienmitglieder mit kolorektalem Karzinom
2) Mindestens zwei aufeinanderfolgende Generationen betroffen
3) Ein Familienmitglied erstgradig verwandt mit den beiden anderen
4) Ein Erkrankter zum Zeitpunkt der Diagnose jünger als 50 Jahre
5) Ausschluss einer familiären adenomatösen Polyposis

(B) Bethesda Kriterien
1) Patienten, die die Amsterdam Kriterien erfüllen
2) Patienten mit 2 HNPCC-assoziierten Tumoren
3) Patienten mit kolorektalem Karzinom und einem erstgradig Verwandten mit kolorektalem oder assoziiertem extrakolonischem Karzinom und/oder einem kolorektalen Adenom; eine der Krebserkrankungen <45 Jahre, das Adenom <40 Jahre
4) Patienten mit kolorektalem Karzinom oder Endometriumkarzinom <45 Jahren
5) Patienten mit einem rechtsseitigen, undifferenziertem Zelltyp (solid/cribiform) in der Histopathologie <45 Jahren
6) Patienten mit kolorektalem Karzinom vom Siegelringtyp <45 Jahre
7) Patienten mit Adenomen, diagnostiziert <40 Jahre

Material und Transportbedingungen:
Eingefrorenes oder archiviertes Tumormaterial und 5-10 ml EDTA-Blut des Patienten

Dauer der Untersuchung: ca. 4 Wochen

Diagnostisches Verfahren:
Untersuchung auf Mikrosatelliten-Instabilität des Tumorgewebes, ggf. molekulargenetische Untersuchung der Mismatch-Repair-Gene (Sequenzierung)

abgelegt unter: ,