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Steroid-5-alpha-Reduktase-Mangel

(männlicher Pseudohermaphroditismus)

Steroid-5-alpha-Reduktase-Mangel
(männlicher Pseudohermaphroditismus)

Gen: SRD5A2

Locus: Chromosom 2p23

OMIM-Nummer: 264600

Klinisch-genetische Grundlagen:
Der Steroid-5-alpha-Reduktase-Mangel ist die häufigste genetische Ursache für unklare Genitalien bei chromosomal männlichen Individuen. Ursächlich ist eine mangelnde Umwandlung von Testosteron in das aktive Dihydrotestosteron aufgrund des Enzymmangels. Die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron in den Zielzellen ist jedoch essentiell für die Ausdifferenzierung der männlichen Geschlechtsorgane.
Inaktivierende Mutationen im Steroid-5-alpha-Reduktase-Gen (SRD5A2-Gen) können je nach Einfluss der Mutation auf die Enzymaktivität graduelle oder komplette Entwicklungsstörungen des männlichen Genitales hervorrufen. In den schweren Fällen liegt ein kompletter Pseudohermaphroditismus masculinus vor. Betroffene karyotypisch männliche Neugeborene besitzen ein phänotypisch weibliches Genitale, das sich als pseudovaginale perineoskrotale Hypospadie (PPSH) darstellt. In einigen Fällen wird eine Klitorishypertrophie oder ein hoher Dammschluss festgestellt. Dihydrotestosteron-abhängige Gewebe bzw. Entwicklungsvorgänge, wie der Penis und die Prostataentwicklung sowie das Deszendieren der Testes unterbleiben ganz oder teilweise. Eine minimale Spermabildung tritt in einigen Fällen auf. Die Diagnose wird häufig erst in der Pubertät gestellt, wenn der Stimmbruch einsetzt. Während der Pubertätsentwicklung und im Erwachsenenalter sind die Testosteron-Konzentrationen normgerecht für männliche Individuen. Anabole Effekte der Androgene sind normal vorhanden, so dass ein maskuliner Körperbau mit entsprechender Muskelbildung nach der Pubertät vorliegt. Die Behaarung entspricht jedoch eher einem weiblichen Phänotyp, da die Haarwurzeln im Schambereich von der DHT-Produktion abhängig sind.
Biochemischer Hinweis auf die Umwandlungsstörung von Testosteron in Dihydrotestosteron ist ein erhöhter Quotient im Plasma. Der Erbgang ist autosomal-rezessiv. Das Steroid-5-alpha-Reduktase-Gen besteht aus fünf Exons, die komplett sequenziert werden können. Hot-Spots für Mutationen sind nicht bekannt.

 

Häufigkeit:
selten

Erbgang:
Autosomal-rezessiv

Indikation:
V.a. Steroid-5-alpha-Reduktase-Mangel bei unklarem Genitale (äußeres Genitale z.B. mit Klitorishypertrophie oder Mikropenis) und männlichem Karyotyp ohne schwere Begleiterkrankungen und laborchemisch erhöhtem Testosteron-/DHT-Quotient

Pränatale Diagnostik:
Möglich; Probe bitte vorher ankündigen

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur;
für pränatale Diagnostik Fruchtwasser oder Chorionzottenbiopsat

Dauer der Untersuchung:
3-4 Wochen (Standarddiagnostik)
7-10 Tage (pränatale Diagnostik)

Diagnostisches Verfahren:
Mutationsnachweis durch DNA-Sequenzierung nach Polymerase-Ketten-Reaktion
Deletionsanalyse mittels MLPA

Selbsthilfegruppen:
XY-Frauen (http://www.xy-frauen.de/)
Intersexuelle Menschen e.V. (http://www.intersexuelle-menschen.net/)