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Sotos-Syndrom

(cerebraler Gigantismus)

Sotos-Syndrom
(cerebraler Gigantismus)

Gen: NSD1

Locus: Chromosom 5q35.2-35.3

OMIM-Nummer: 117550

Klinisch-genetische Grundlagen:
Dem Sotos-Syndrom liegt in über 90% der Fälle eine Mutation oder eine größere Deletion im NSD1-Gen zugrunde. Dabei reicht es aus, wenn eine der beiden Kopien des NSD1-Gens eine Mutation trägt um zu erkranken (autosomal-dominanter Erbgang). Die meisten Fälle treten sporadisch aufgrund von Neumutationen auf. Es wird eine volle Penetranz angenommen, d. h. alle Mutationsträger haben auch Symptome. Fast alle Kinder mit Sotos-Syndrom zeigen einen Hochwuchs mit begleitender Makrozephalie, Lernschwierigkeiten sowie fazialen Auffälligkeiten. Die fazialen Auffälligkeiten sind in der frühen Kindheit am stärksten ausgeprägt, typisch sind hier eine hohe, prominente Stirn, ein zurückweichender Haaransatz, nach unten abfallende Lidspalten, ein betontes Kinn sowie gerötete Wangen. Bei Erwachsenen fällt oft nur noch ein längliches Gesicht mit prominentem Kinn auf. Der Hochwuchs besteht in der Regel schon bei Geburt und liegt bis zur Pubertät mehr als zwei Standardabweichungen über dem Mittel. Das Knochenalter ist oft fortgeschritten. Im Erwachsenenalter kann die Körpergröße normal sein. Die Makrozephalie besteht ebenfalls schon bei Geburt, findet sich jedoch auch noch im Erwachsenenalter. Das Sprektrum der kognitiven Einschränkungen ist sehr breit und reicht von einer normalen geistigen Entwicklung bis hin zu einer schweren geistigen Behinderung. Seltener treten Organfehlbildungen, wie Herzfehler und Nierenfehlbildungen, Fütterungsschwierigkeiten, Krämpfe oder eine Skoliose auf. Daneben sind zahlreiche weitere Symptome bei Einzelfällen beschrieben. Eine kausale Therapie gibt es nicht. Für die Betreuung von Sotos-Patienten wird eine jährliche ärztliche Vorstellung mit Untersuchung von Herz und Blutdruck, Urinstix, Beobachtung des Längenwachstums und Inspektion der Wirbelsäule empfohlen. Daneben kommt der individuellen Förderung ein hoher Stellenwert zu.

 

Häufigkeit:
1:10.000

Erbgang:
Autosomal-dominant

Indikation:
V.a. Sotos-Syndrom bei fazialen Auffälligkeiten, Lernschwierigkeiten und Hochwuchs mit Makrozephalie

Pränatale Diagnostik:
Möglich; Probe bitte vorher ankündigen

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur;
für pränatale Diagnostik Fruchtwasser oder Chorionzottenbiopsat

Dauer der Untersuchung:
4 Wochen (Standarddiagnostik)
5-10 Tage (pränatale Diagnostik)

Diagnostisches Verfahren:
Polymerase-Kettenreaktion mit anschließender Sequenzierung der kodierenden Abschnitte des NSD1-Gens (Exons 2-23 inklusive angrenzender Intronsequenzen); Untersuchung auf größere genomische Aberrationen (Duplikationen oder Deletionen) im NSD1-Gen mittels der Multiplex Ligation Dependent Probe Amplification (MLPA)-Methode; Detektionsrate > 90%

Literatur:
Sotos Syndrome. Tatton-Browne et al., Gene Reviews 2004