Sie sind hier: Startseite / Genetik / Leistungsverzeichnis-gesamt / Septooptische Dysplasie

Septooptische Dysplasie

(SOD, de Morsier Syndrom, Kombinierte Hypophysenhormon-Defizienz Typ 5)

Septooptische Dysplasie
(SOD, de Morsier Syndrom, Kombinierte Hypophysenhormon-Defizienz Typ 5)

Gen: HESX1

Locus: Chromosom 3p14.3

OMIM-Nummer: 182230

Klinisch-genetische Grundlagen:
Bei der septo-optischen Dysplasie handelt es sich um eine Anlagestörung im Bereich des Vorderhirns, die klinisch gekennzeichnet ist durch die Assoziation von:
- Hypoplasie der Sehnerven
- Hypophysenstörungen (Hypoplasie, Ektopie, Hormondefizienzen) und
- Mittelliniedefekten des Hirns (Hypo- oder Aplasie von Corpus callosum oder Septum pellucidum).
Für die Diagnose müssen mindestens zwei der drei o.g. Kriterien vorliegen, die klassische Trias wird nur bei einer Minderheit der Patienten (ca. 30 %) gefunden. Es können unterschiedliche Begleitanomalien auftreten, weshalb von manchen Autoren auch das Konzept eines Septooptischen-Dysplasie-Komplexes favorisiert wird. Die Inzidenz liegt bei 1:10.000 Geburten, beide Geschlechter sind gleich häufig betroffen.

Die Ätiologie ist mehrheitlich sporadisch, in familiären Fällen werden bei einem Teil der Betroffenen Mutationen im HESX1-Gen auf Chromosom 3p14.3 gefunden, dabei sind sowohl autosomal-dominante wie autosomal-rezessive Erbgänge beschrieben. Bei manchen Patienten mit Mutationen im HESX1-Gen werden lediglich Hormondefizite bei Hypoplasie des HVL gefunden, dies wird entsprechend als kombinierte Hypophysenhormon-Defizienz Typ 5, oder als Wachstumhormonmangel mit hypophysären Anomalien bezeichnet. Mutationen in weiteren Genen (SOX2, OTX) können einen ähnlichen Phänotyp zur Folge haben.

Am häufigsten (80%) ist der Mangel an Wachstumshormon (GH), weiterhin können TSH, ACTH (60%) und GnRH (40%) betroffen sein. Relevante Sehstörungen bis hin zur Blindheit treten bei etwa 23% auf, ein Diabetes insipidus bei 35%. Eine psychomotorische Retardierung wird bei etwa der Hälfte der Kinder beobachtet, sie ist häufiger mit bilateraler Hypoplasie des N. opticus assoziiert. Krampfanfälle als weitere neurologische Manifestation stehen z. T. mit der Hypoglykämieneigung und endokrinen Störungen im Zusammenhang. Weitere mögliche Symptome sind Schlafstörungen, Autismus, Störungen der Pubertätsentwicklung, Adipositas, gestörte Temperaturregulation, Anosmie, Innenohrschwerhörigkeit, Herzfehler und (sehr selten) Fingerfehlbildungen. Neben einem variablen Phänotyp wird auch eine unvollständige Penetranz beobachtet. In einigen Familien wurde die Mutation von einem klinisch unauffälligen Elternteil weitervererbt.

Symptome einer Septooptischen Dysplasie können bereits bei Geburt in Form angeborener Fehlbildungen vorliegen oder erst im weiteren Verlauf auftreten, etwa als Wachstumsstörung bei GH-Mangel oder als Störung der Okulomotorik (Nystagmus oder Strabismus). Eine frühzeitige Diagnosestellung ist für die ggf. erforderliche Hormonsubstitution und eine sinnvolle Frühförderung von entscheidender Bedeutung. Die Funktionsstörungen der Hypophyse haben nicht nur eine Beeinträchtigung der Entwicklung zur Folge, bei einem Teil der Kinder kann es wegen Hypoglykämieneigung und adrenaler Insuffizienz zu lebensbedrohlichen Krisen kommen.

Klinisch sollte eine Septooptische Dysplasie in Erwägung gezogen werden bei Neugeborenen mit Hypoglykämien, prologiertem Ikterus und Nystagmus mit oder ohne Mittelliniendefekte sowie bei Knaben mit Mikropenis mit oder ohne Maldescensus testis. Craniale MRT, HVL-Funktionstests und ophthalmologische Untersuchungen sichern die Diagnose.
In familiären Fällen kann im Rahmen einer genetischen Beratung die molekulargenetische Testung zur Diagnosesicherung beitragen, eine pränatale Testung ist aufgrund des variablen Phänotyps und der unvollständigen Penetranz problematisch.

 

Häufigkeit:
1:10.000

Erbgang:
Autosomal-dominant, autosomal-rezessiv

Indikation:
Verdacht auf Septooptische Dysplasie bei:
- Neugeborenen mit Hypoglykämieneigung, Ikterus und Nystagmus
- Hypophyseninsuffizienz und strukturellen intrakranielle Anomalien im Bereich des Sehnerven sowie von Septum pellucidum/ Corpus callosum oder Hypophyse
- Untersuchung auf Anlageträgerstatus bei familiärem Risiko und bekannter Mutation in der Familie

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur

Dauer der Untersuchung:
6-8 Wochen

Diagnostisches Verfahren:
Polymerase-Kettenreaktion mit anschließender Sequenzierung der kodierenden Abschnitte des HESX1-Gens (Exons inklusive angrenzender Intronsequenzen); Untersuchung auf größere genomische Aberrationen (Duplikationen oder Deletionen) im HESX1-Gen mittels der Multiplex Ligation Dependent Probe Amplification (MLPA)-Methode

Literatur:
Webb, EA; Dattani, MT: Septo-optic Dysplasia, Eur J Hum Genet (2010) 18