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Rett-Syndrom, atypisches

(Früh-infantile epileptische Enzephalopathie Typ 2)

Atypisches Rett-Syndrom
(Früh-infantile epileptische Enzephalopathie Typ 2)

Gen: CDKL5

Locus: Chromosom Xp22.13

OMIM-Nummer: 300672

Klinisch-genetische Grundlagen:
Neben dem klassischen Rett-Syndrom mit Mutationen im MECP2-Gen sind einige ähnliche Krankheitsbilder beschrieben, die jedoch auf Mutationen in anderen Genen beruhen. Hierzu gehören insbesondere das atypische Rett-Syndrom bei Mutation im CDKL5-Gen und das kongenitale Rett-Syndrom bei Mutation im FOXG1-Gen.
Kinder mit CDKL5-Genmutation entwickeln bereits innerhalb der ersten fünf Lebensmonate eine Epilepsie. Später zeigen sich eine schwere mentale Retardierung, eine Mikrozephalie, ein fehlender Spracherwerb, ein mangelnder Augenkontakt, Bewegungsstereotypien (Händewaschbewegungen, Klatschen, Händelecken; ähnlich wie beim klassischen Rett-Syndrom), eine muskuläre Hypotonie und Schlafstörungen. Im Gegensatz zum klassischen Rett-Syndrom sind eine Entwicklungsregression und neuro-vegetative Symptome bei Kindern mit CDKL5-Genmutation selten.
Das CDKL5-Gen ist X-chromosomal lokalisiert. Jungen wie Mädchen können von dem atypischen Rett-Syndrom betroffen sein. Jungen entwickeln jedoch eine schwerere Form der epileptischen Enzephalopathie als Mädchen. Die Vererbung erfolgt X-chromosomal-dominant und geht praktisch immer auch Neumutationen zurück. Das Wiederholungsrisiko für weitere Nachkommen von Eltern eines betroffenen Kindes ist damit gering. Aufgrund möglicher Keimzellmosaike sollte eine vorgeburtliche Diagnostik angeboten werden.
Als Mutationen werden sowohl Punktmutationen als auch Deletionen und Duplikationen gefunden. Bei Deletionen und Duplikationen die chromosomal weit über das CDKL5-Gen hinaus gehen können Betroffene weitere Symptome (z.B. eine auffällige Fazies) aufweisen.
Eine kausale Therapie steht nicht zur Verfügung. Die Behandlung erfolgt symptomatisch. Die Epilepsie ist medikamentös oft nicht zufriedenstellend beherrschbar.

Häufigkeit:
Bis 2009 43 Patienten charakterisiert

Erbgang:
X-chromosomal-dominant

Indikation:
V.a. atypisches Rett-Syndrom bei Entwicklung einer Epilepsie in den ersten Lebensmonaten, stereotypen Handbewegungen und schwerer mentaler Retardierung
Mädchen mit Verdacht auf klassisches Rett-Syndrom und unauffälligem Befund der MECP2-Analyse
Jungen mit Verdacht auf Rett-Syndrom und unauffälligem Karyotyp

Pränatale Diagnostik:
Auf Anfrage

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur

Dauer der Untersuchung:
3-4 Wochen

Diagnostisches Verfahren:
Polymerase-Ketten-Reaktion, DNA-Sequenzierung CDKL5-Gen (Exons 2-21 incl. angrenzender Intronsequenzen); Untersuchung auf größere genomische Aberrationen (Duplikationen oder Deletionen) im CDKL5-Gen mittels der Multiplex Ligation Dependent Probe Amplification (MLPA)-Methode

Literatur:
Bahi-Buisson N.; CDKL5-Related Disorders: From Clinical Description to Molecular Genetics. Mol Syndromol 2011;2:137-152