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Plasminogen-Aktivator-Inhibitor Typ 1 (PAI1)

Plasminogen-Aktivator-Inhibitor Typ 1
(PAI1)

Gen: SERPINE1

Locus: Chromosom 7q21.3-q22

OMIM-Nummer: 613329

Klinisch-genetische Grundlagen:
Der Plasminogen-Aktivator-Inhibitor vom Typ 1 (PAI1) gehört zu der Familie der Serin-Proteinase-Inhibitoren (Serpin). Die Hauptfunktion dieses Enzyms besteht darin, die Plasminogen-Aktivatoren t-PA (Gewebe-Plasminogen-Aktivator) und u-PA (Urokinase-Plasminogen-Aktivator) zu hemmen und die Fibrinolyse herunter zu regulieren. Eine erhöhte PAI1-Aktivität im Plasma ist demnach mit einer verminderten fibrinolytischen Aktivität assoziiert.
Nach heutigem Kenntnisstand hat der 4G/5G-Polymorphismus (4 oder 5 Guanosin-Nukleotide) an der Position -675 der Promotor-Region des PAI1-Gens Einfluss auf die Bindung spezieller Transkriptionsfaktoren und damit auf die Transkriptionsrate des Gens.
Dabei steigt die PAI1-Aktivität im Plasma in Abhängigkeit vom Genotyp (5G/5G, 4G/5G und 4G/4G), wobei der 4G/4G-Genotyp mit der höchsten Transkriptionsrate assoziiert ist.
Verschiedenen Studien zufolge ist eine erhöhte PAI1-Aktivität im Plasma, basierend auf einem homozygoten 4G/4G-Genotyp, mit einer erhöhten Disposition für Thrombosen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen assoziiert. Dabei können erworbene Risiken wie Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel das Auftreten thromboembolischer Ereignisse begünstigen.
Obwohl in der Schwangerschaft eine erhöhte PAI1-Aktivität physiologisch ist, haben Schwangere mit dem Genotyp 4G/4G ein erhöhtes Risiko einen Abort oder eine Präeklampsie zu erleiden. Zahlreichen Studien zufolge sind sowohl die Präeklampsie als auch rezidivierende, spontane und frühe Aborte mit uteroplazentaren Thrombosen assoziiert, bei denen ein auffälliger PAI1 Genotyp häufiger gefunden wurde. In diesem Zusammenhang wird auch das Ausbleiben oder Scheitern  einer Schwangerschaft bei IVF-Patientinnen diskutiert.

 

Häufigkeit:
Keine Angaben

Erbgang:
Autosomal-dominant

Dauer der Untersuchung:
Klinischer Verdacht auf erhöhte PAI1-Aktivität bei:
- arteriellen und venösen Thrombosen
- rezidivierenden, spontanen und frühen Aborten
- Präeklampsie
- kardiovaskulären Erkrankungen

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur

Dauer der Untersuchung:
1 -2 Wochen

Diagnostisches Verfahren:
Mutationsnachweis nach Polymerase-Ketten-Reaktion