Sie sind hier: Startseite / Genetik / Leistungsverzeichnis-gesamt / Paragangliom-Syndrom

Paragangliom-Syndrom

Paragangliom-Syndrom Typ 1, 3 und 4

Paragangliom-Syndrom Typ 1, 3 und 4

Gen: SDHD (Typ1), SDHC (Typ 3), SDHB (Typ 4)

Locus: Chromosom 11q23 (SDHD), 1q21 (SDHC), 1p36.1-p35 (SDHB)

OMIM-Nummer: Paragangliom-Syndrom Typ 1: 168000; Paragangliom-Syndrom Typ 3: 605373; Paragangliom-Syndrom Typ 4: 115310

Klinisch-genetische Grundlagen:
Das Paragangliom ist ein seltener Tumor, der entlang der paravertebralen Achse prädominant an der Schädelbasis bis hinunter in den Beckenbereich auftritt. Die Inzidenz wird in Deutschland auf etwa 800 Neuerkrankungen pro Jahr geschätzt (Schipper J. et al., 2004).
Die WHO-Tumorklassifikation definiert chromaffine und nicht-chromaffine extra-adrenale Tumore als Paragangliome und chromaffine Tumore adrenalen Ursprungs als Phäochromozytome (DeLellis R.A. et al., 2004). Paragangliome an Kopf und Nacken sind in der Regel parasympathischen Ursprungs und nicht-sezernierend. Paragangliome in Thorax, Abdomen und Becken sind dagegen meist sympathischen Ursprungs, sezernieren Katecholamine und werden so symptomatisch (Bluthochdruck, vermehrtes Schwitzen, Palpitationen). Bei Paragangliomen im Bereich des Plexus tympanicus kann es zu einem Hörverlust kommen. Paragangliome im Hals und Nackenbereich fallen durch die Massenzunahme auf.
Ursächlich für das hereditäre Paragangliom sind Mutationen in den Genen des SDH-Komplexes. Die Vererbung folgt einem autosomal-dominanten Erbgang. Neumutationen sind beschrieben. Bei familiärem Auftreten findet sich in etwa 70% der Familien eine Mutation im SDHB, SDHD oder SDHC-Gen. Mutationen im SDHD-Gen sind in der Regel nur krankheitsverursachend, wenn sie vom Vater vererbt werden. Die Erstmanifestation eines paraganglionären Tumors scheint bei Patienten die eine Mutation in einem Gen des SDH-Komplexes tragen in einem früheren Lebensalter aufzutreten als bei Patienten mit sporadischen Tumoren (Boedeker C.C., 2011). Multifokales Auftreten, wiederholte Erkrankungen sowie Malignität sind ein Hinweis auf eine genetische Grundlage des Paraganglioms.
Die molekulargenetische Diagnostik auf Mutationen erfolgt derzeit routinemäßig in den Genen SDHB (Paragangliom-Syndrom Typ 4), SDHD (Paragangliom-Syndrom Typ 1) und SDHC (Paragangliom-Syndrom Typ 3). Das Paragangliom Syndrom Typ 2 (SDHAF2-Gen) wurde bisher nur für eine spanische und eine niederländische Familie beschrieben und wird derzeit nicht routinemäßig untersucht (Hao X.H. et al., 2009; Bayley J.P. et al., 2010). Die nach Boedeker C.C. (2011) empfohlene Reihenfolge der molekulargenetischen Untersuchungen bei Patienten mit Paragangliomen ist in der u. a. Tabelle zusammengefasst. Eine mögliche Änderung der Reihenfolge der Stufendiagnostik dieser Gene ist für den Einzelfall und insbesondere unter Berücksichtigung der Eigenanamnese und der Familienanamnese möglich.

Stufendiagnostik (jeweils Stufe 1 > 2 > 3):

Multiple Paragangliome: SDHD > SDHB > SDHC
Solitäres Paragangliom, positive Familienanamnese: SDHD > SDHB >SDHC
Paragangliom(e) und Phäochromozytom(e): SDHD > SDHB > SDHC
Solitäres Paragangliom, negative Familienanamnese: SDHB > SDHD > SDHC
Malignes Paragangliom: SDHB > SDHD > SDHC

 

Häufigkeit:
ca. 800 Neuerkrankungen p.a. in Deutschland

Erbgang:
Autosomal-dominant

Indikation:
Verdacht auf hereditäres Paragangliom-Syndrom bei:
- multifokalem und / oder rekurrentem Tumorauftreten
- jungem Erkrankungsalter (< 40 Jahre)
- malignen Paragangliomen
- auffälliger Familienvorgeschichte

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur

Dauer der Untersuchung:
3-4 Wochen (je Gen, Stufendiagnostik)

Diagnostisches Verfahren:
Mutationsnachweis durch DNA-Sequenzierung nach Polymerase-Ketten-Reaktion, Deletionsanalyse mittels MLPA (Multiplex-ligationsabhängige Sondenamplifikation)- Technik
bei Anforderung mehrerer Gene Stufendiagnostik in Abhängigkeit von der Klinik des Patienten