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Pankreatitis, hereditäre

Hereditäre Pankreatitis

Gen: SPINK1, PRSS1

Locus: Chromosom: 5q32 (SPINK1), 7q35 (PRSS1)

OMIM-Nummer: 167800

Klinisch-genetische Grundlagen:
Bei rezidivierenden/chronischen Pankreatitiden im Kindes- oder jungen Erwachsenenalter kann eine genetische Ursache vorliegen. Mutationen in den Genen CFTR, SPINK1 und PRSS1 können im Zusammenhang mit der erblichen Form der Pankreatitis stehen.

Das CFTR (cystic fibrosis transmembrane conductance regulator)-Gen, kodiert für einen Chlorid-Ionenkanal. Homozygote oder gemischt heterozygote Mutationen verursachen in der Regel das Krankheitsbild der Cytischen Fibrose (CF, Mukoviszidose). Da die Schleimproduktion der Drüsenzellen gestört ist, bildet sich hochvisköses Sekret, welches die Ausführungsgänge verschließt und zur Zystenbildung führt. Insbesondere ist zwar die Lunge betroffen, jedoch kann der Phänotyp in seltenen Fällen auf die Bauchspeicheldrüse fokussiert sein. Bei Wunsch nach Diagnostik im CFTR-Gen verweisen wir auf unser Parameterinfoblatt zur Cystische Fibrose.

Eine weitere autosomal-rezessiv vererbte Form der hereditären Pankreatitis wird durch das SPINK1-Gen verursacht. Dieses Gen kodiert für den Serin-Protease-Inhibitor. Bei Ausfall dieses Inhibitors resultiert eine ungenügende Inaktivierung vom aktiven Trypsinogen und damit entfällt die schützende Wirkung vor der sogenannten Selbstverdauung. Die Wahrscheinlichkeit für Geschwister von Betroffenen, ebenfalls betroffen zu sein beträgt 25%. Die Familienvorgeschichte ist häufig leer, da die Eltern zwar beide Anlageträger für die Erkrankung sind, selbst jedoch nicht erkranken.

Eine weitere Form der hereditären Pankreatitis wird nach dem autosomal-dominanten Erbgang vererbt. Mutationen im PRSS1-Gen, welches für das kationische Trypsinogen kodiert, führen zu einer vorzeitigen Aktivierung des Trypsinogens im Pankreas. Zudem resultiert langfristig ein deutlich erhöhtes Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Bei einer autosomal-dominanten Erbkrankheit genügt das Vorhandensein einer Erbanlage auf einem der beiden homologen (vom Vater und Mutter ererbten) Chromosomen, damit es zur Ausprägung der Krankheit kommt. Die Wiederholungswahrscheinlichkeit der Krankheit bei Nachkommen von Betroffenen beträgt 50%. Bei Vorliegen einer PRSS1-Mutation sind häufig auch weitere Familienangehörige von der Symptomatik betroffen.

 

Häufigkeit:
Keine Angaben

Erbgang:
SPINK1: autosomal-rezessiv; PRSS1: autosomal-dominant

Indikation:
V.a. hereditäre Pankreatitis (rezidivierende/chronische Pankreatitiden, junges Erkrankungsalter, exogene und immunologische Ursache ausgeschlossen, ggf. positive Familienanamnese)

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur

Dauer der Untersuchung:
4-6 Wochen

Diagnostisches Verfahren:
Polymerase-Ketten-Reaktion, DNA-Sequenzierung SPINK1 und PRSS1-Gen

Literatur:
Witt et al. 2000
Chen et al. 2001