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MTHFR

Methylentetrahydrofolat-Reduktasemangel (Hyperhomocyteinämie, Homocysteinurie)

Methylentetrahydrofolat-Reduktasemangel
(Hyperhomocyteinämie, Homocysteinurie)

Gen: MTHFR

Locus: Chromosom 1p36.3

OMIM-Nummer: 236250

Klinisch-genetische Grundlagen:
Die Methylentetrahydrofolat-Reduktase (MTHFR) ist ein Enzym, das Homocystein metabolisiert und dessen Spiegel im physiologischen Rahmen hält. Liegt eine homozygot vererbte Mutation des MTHFR-Gens vor, ist die MTHFR-Aktivität deutlich vermindert, der Homocysteinspiegel ständig erhöht.
In zwei großen Studien wurde gezeigt, dass die Hyperhomocysteinämie ein Risikofaktor für venöse Thrombosen darstellt und in 10 % unselektierter Patienten mit Thrombosen nachgewiesen werden kann. Hyperhomocysteinämien liegen u. a. bei Patienten mit homozygoten Mutationen im Gen für die Cystathion-beta-Synthase oder die Methylentetrahydrofolat-Reduktase (MTHFR) vor.
Mit einer Häufigkeit von 38 - 50 % der Bevölkerung wird heterozygot eine Genvariante des MTHFR-Gens gefunden, die durch den Austausch der Aminosäure Alanin gegen Valin in Position 222 (Nukleotid 677 C > T) zu einem temperaturlabilen Enzym führt und dadurch die Hyperhomocysteinämie auslösen kann. Damit stellt die dem autosomal-rezessiven Erbgang folgende MTHFR-Mutation eine der häufigsten genetischen Erkrankungen dar. Die Prävalenz für Träger der homozygoten Mutation beträgt in der Normalbevölkerung ca. 11 %, bei Patienten mit tiefen Venenthrombosen oder KHK-Patienten sogar bis zu 25 %. Homozygote Träger dieser Mutation haben ein 2,6fach erhöhtes Risiko für Thromboembolien. Wenn zu diesem genetischen Risikofaktor weitere genetische prädisponierende Genvarianten hinzukommen (z. B. Faktor V oder Prothrombin), ist mit einem stark erhöhten Gesamtrisiko für Thromboembolien und Herzinfarkte zu rechnen.
Auch erworbene Risiken wie Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen oder die Anwendung thrombogener Medikamente (z.B. orale Kontrazeptiva), führen zu einer Akkumulation der Risiken und können früh auftretende Thrombosen oder kardiovaskuläre Ereignisse auslösen.

 

Häufigkeit:
Keine Angaben

Erbgang:
Autosomal-rezessiv

Indikation:
Patienten mit erhöhtem Homocysteinspiegel (> 50μmol /l) und
familiärer Häufung von Thromboembolien in jungem Lebensalter
Verschreibung oraler Kontrazeptiva bei Verdacht auf Prädisposition für Thromboembolien
wiederholten thromboembolischen Ereignissen unbekannter Ursache
rezidivierenden Aborten
Angehörigen mit nachgewiesener Mutation

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur

Dauer der Untersuchung:
1 Woche

Diagnostisches Verfahren:
Mutationsnachweis (C677T-Mutation) nach Polymerase-Ketten-Reaktion