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Multiple Endokrine Neoplasie Typ 1 (MEN1, Werner-Syndrom)

MEN1

Gen: MEN1

Locus: Chromosom 11q13

OMIM-Nummer: 131100

Klinisch-genetische Grundlagen:
Die Multiple Endokrine Neoplasie Typ 1 (MEN1) ist eine autosomal-dominant vererbte Erkrankung, die durch einen Defekt des MEN1-Gens ausgelöst wird. Es besteht eine hohe Penetranz und Variabilität bezüglich der klinischen Symptomatik.
Die Erkrankung ist durch das voneinander unabhängig und isolierte oder gleichzeitige Auftreten verschiedener klinischer Manifestationen charakterisiert. Die häufigste und früheste Manifestation stellt in der Regel der Hyperparathyreoidismus dar, der bei 80 bis 100 % der Betroffenen bis zum 50. Lebensjahr auftritt. Daneben sind Tumoren des Pankreas sowie der Hypophyse bekannt.
Die Klinik der MEN1 wird einerseits durch die Tumorbildung der betroffenen Organe, andererseits durch die Hypersekretion oder den Ausfall der entsprechenden Hormone bestimmt. Die Hyperkalzämie als Folge der übermäßigen Parathormonsekretion ist eine der häufigsten biochemischen Charakteristika. Die Hypersekretion von pankreatischen Peptidhormonen, wie z. B. Gastrin, Insulin oder pankreatisches Peptid (C-Peptid), führt zu definierten Syndromen (z.B. Zollinger-Ellison-Syndrom, Hypoglykämie). Die Hypophysenüberfunktion manifestiert sich am häufigsten als Hyperprolaktinämie mit spezifischen klinischen Symptomen, seltener als Akromegalie (Wachstumshormon-Hypersekretion), Hyperthyreose (TSH-Hypersekretion) oder Cushing-Syndrom (ACTH-Hypersekretion).
Außerdem bilden MEN1-Patienten in einigen weiteren Geweben Tumore deutlich häufiger aus als die sonstige Bevölkerung, so zum Beispiel adrenokortikale Hyperplasien oder Tumore, Karzinoide, Lipome und Pinealome.
Die molekulargenetische Diagnostik wird bei allen Patienten mit zwei oder mehr MEN1-assoziierten Tumoren empfohlen. Durch den Nachweis einer Mutation innerhalb des MEN1-Gens wird der Verdacht auf MEN1 bestätigt. Im Anschluss sollte die frühzeitige Untersuchung der Familienmitglieder ersten Grades auf das Vorliegen dieser Mutation erfolgen, da bereits Manifestationen im Alter von 5 Jahren bekannt sind. Dabei werden Doppelbestimmungen aus zwei unabhängig abgenommenen EDTA-Blutproben empfohlen.
Bei Anlageträgern sollte ein regelmäßiges biochemisches und bildgebendes Screening in Hinblick auf die verschiedenen Manifestationen erfolgen. Auf diese Weise können Organmanifestationen bereits bis zu 10 Jahre vor dem Auftreten der typischen klinischen Symptomatik entdeckt und eine frühzeitige Behandlung eingeleitet werden. Familienmitglieder, die nachweislich keine Anlageträger sind, bedürfen keiner weiteren Untersuchungen in Bezug auf MEN1.

 

Häufigkeit:
1:30.000

Erbgang:
Autosomal-dominant

Indikation:
V.a. Vorliegen einer MEN1 bei Nebenschilddrüsenadenomen / primärem Hyperparathyreoidismus, Inselzelltumoren (Gastrinom, VIPom, Insulinom, Glukagonom), Hypophysenadenom (Chromophobes Adenom, Akromegalie, Prolaktinom, ACTH-abhängiger Morbus Cushing), Tumore der Nebenniere, Karzinoide, Lipome, Angiofibrome, Kollagenome
Abklärung Anlageträgerstatus bei MEN1-Erkrankung in der Familie

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur

Dauer der Untersuchung:
6-8 Wochen

Diagnostisches Verfahren:
Mutationsnachweis mittels DNA-Sequenzierung nach Polymerase-Ketten-Reaktion
Deletionsanalyse mittels MLPA (multiplex-ligationsabhängige Sondenamplifikation)-Technik

Selbsthilfegruppen:
Netzwerk Hypophysen- und Nebennierenerkrankungen e.V. (http://www.glandula-online.de/cms/cms/front_content.php)