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Marfan-Syndrom

Marfan-Syndrom (MFS)

Gen: FBN1

Locus: Chromosom 15q21.1

OMIM-Nummer: 154700

Klinisch-genetische Grundlagen:
Das Marfan-Syndrom ist eine erbliche Erkrankung des Bindegewebes mit Auswirkung auf verschiedene Organsysteme. Die Erkrankung tritt mit einer Häufigkeit von etwa 1:5.000 auf. Ursächlich sind Gendefekte im Fibrillin-Gen (FBN1-Gen). Die klinischen Zeichen können sehr vielfältig sein. Typisch sind ein Hochwuchs, lange Fingerglieder (positives wrist- und thumb-sign), Pectus excavatum und carinatum, Linsenluxationen sowie Aortendilatationen und -dissektionen. Neben der Aortenruptur stellt der Pneumothorax die zweite lebensbedrohliche Komplikation dar. Durch medikamentöse und operative Maßnahmen sowie durch umsichtiges Verhalten in einzelnen Risikosituationen (z.B. Sport, Schwangerschaft) lässt sich die Prognose deutlich verbessern.

Das Marfan-Syndrom wird autosomal-dominant vererbt. Ist ein Mensch Träger einer solchen Mutation, so beträgt das Risiko für Nachkommen, das veränderte Gen zu erben 50%. Der Gendefekt muss jedoch nicht immer vererbt worden sein, bei etwa 30% der Betroffenen ist die Mutation neu entstanden. Fast jeder Mensch, der eine Mutation im FBN1-Gen trägt, zeigt im Verlaufe des Lebens Marfan-typische Symptome (hohe Penetranz). Wie schwer die Erkrankung ausgeprägt ist und welche Organsysteme betroffen sind, ist dagegen - selbst innerhalb einer Familie - sehr variabel.

Die Diagnose wird in der Regel klinisch gestellt. Als Hilfe sind hierfür bestimmte Kriterien-Kataloge (z.B. Ghent-Kriterien) etabliert worden. Die genetische Untersuchung dient nicht nur der Diagnosesicherung. Sie erlaubt auch eine frühzeitige Diagnostik bei Familienmitgliedern, die zwar die Genveränderung tragen, jedoch noch keine klinischen Auffälligkeiten zeigen und von Vorsorgemaßnahmen profitieren werden. Durch die Abgrenzung gegenüber ähnlichen Syndromen mit anderem Gendefekt ist im Einzelfall auch eine bessere Einschätzung der Prognose möglich. Sollte die genetische Untersuchung des FBN1-Gens bei einem Patienten mit Verdacht auf Marfan-Syndrom unauffällig sein, so ist an das Vorliegen eines verwandten Syndroms mit sehr ähnlicher Klinik zu denken. In Einzelfällen kann dann die Untersuchung der Gene TGFBR1 und TGFBR2 (Loeys-Dietz-Syndrom) sowie COL3A1 (Ehlers-Danlos-Syndrom vom vaskulären Typ) sinnvoll sein.

 

Häufigkeit:
1:5.000

Erbgang:
Autosomal-dominant

Indikation:
V.a. Marfan Syndrom, z.B. aufgrund der Ghenter Kriterien
Familienuntersuchung

Pränatale Diagnostik:
Möglich; Probe bitte vorher ankündigen

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur;
für pränatale Diagnostik Fruchtwasser oder Chorionzottenbiopsat

Dauer der Untersuchung:
6 Wochen (Standarddiagnostik)
3-5 Tage (pränatale Diagnostik bei bekannter Mutation)

Diagnostisches Verfahren:
Polymerase-Kettenreaktion mit anschließender Sequenzierung der kodierenden Abschnitte des FBN1-Gens (Exons 2-66 inklusive angrenzender Intronsequenzen); Untersuchung auf größere genomische Aberrationen (Duplikationen oder Deletionen) im FBN1-Gen mittels der Multiplex Ligation Dependent Probe Amplification (MLPA)-Methode

Literatur:
Canadas, V. et al. Nat.Rev.Cardiol.7,256-265 (part 1), 266-276 (part 2) (2010) Review