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Loeys-Dietz-Syndrom

Loeys-Dietz-Syndrom (LDS, Marfan-Syndrom Typ 2, MFS2)

Loeys-Dietz-Syndrom (LDS, Marfan-Syndrom Typ 2, MFS2)

Gen: TGFBR1, TGFBR2

Locus: Chromosom 9q22 (TGFBR1); Chromosom 3p22 (TGFBR2)

OMIM-Nummer: TGFBR1 609192; TGFBR1 610168

Klinisch-genetische Grundlagen:
Das Loeys-Dietz-Syndrom ist eine erbliche Erkrankung mit Auswirkung auf verschiedene Organsysteme. Klinisch bestehen Ähnlichkeiten mit dem klassischen Marfan-Syndrom. Ursächlich sind Gendefekte im TGFBR1- oder TGFBR2-Gen. Die klinischen Zeichen können sehr vielfältig sein. Typischerweise treten bei betroffenen Patienten Aortenaneurysmen und gewundene Arterien im ganzen Körper auf. Weitere Auffälligkeiten sind ein Hypertelorismus (weiter Augenabstand), eine Uvula bifida, seltener eine Gaumenspalte. Bei einigen Patienten finden sich Kraniosynostosen, Exotropie, Mikro- und Retrognathie und strukturelle Hirnanomalien. Eine Intelligenzminderung kann auftreten. Herzfehler, Dissektionen am gesamten Arteriensystem, schlaffe Gelenke und Hautauffälligkeiten sind beschrieben. Die Prognose ist unbehandelt schlechter als die des Marfan-Syndroms.
Durch eine genetische Untersuchung kann die Diagnose Loeys-Dietz-Syndrom gesichert werden. Die Abgrenzung von Erkrankungen mit ähnlichem Phänotyp erlaubt auch eine bessere Einschätzung der Prognose und des Verlaufs sowie eine Optimierung präventiver, ggf. auch therapeutischer Maßnahmen. Daneben ist bei Kenntnis der familiären Mutation eine frühzeitige Diagnostik bei Familienmitgliedern, die zwar die Genveränderung tragen, jedoch noch keine klinischen Auffälligkeiten zeigen und von Vorsorgemaßnahmen profitieren können, möglich. Auch eine vorgeburtliche Diagnostik ist dann bei Wunsch möglich.
Differenzialdiagnosen stellen neben dem klassischen Marfan-Syndrom auch das Ehlers-Danlos-Syndrom vom vaskulären Typ und das Shprintzen-Goldberg-Syndrom dar.

 

Häufigkeit:
Keine Angaben

Erbgang:
Autosomal-dominant

Indikation:
V.a. Loeys-Dietz-Syndrom bei Aortenaneurysmen und –dissektionen in Kombination mit fazialen Auffälligkeiten wie Hypertelorismus, Gaumenspalten oder  Uvula bifida und gewundenen Arterien des ganzen Körpers
Hochgradiger V.a.  Marfan-Syndrom bei unauffälliger FBN1-Gendiagnostik (hier insbesondere TGFBR2)
Familienuntersuchung

Pränatale Diagnostik:
Möglich; Probe bitte vorher ankündigen

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur;
für pränatale Diagnostik Fruchtwasser oder Chorionzottenbiopsat

Dauer der Untersuchung:
6 Wochen (Standarddiagnostik)
3-5 Tage (pränatale Diagnostik bei bekannter Mutation)

Diagnostisches Verfahren:
Polymerase-Kettenreaktion mit anschließender Sequenzierung der kodierenden Abschnitte des TGFBR1- und / oder TGFBR2-Gens (Exons inklusive angrenzender Intronsequenzen); Untersuchung auf größere genomische Aberrationen (Duplikationen oder Deletionen) im TGFBR1- und / oder TGFBR2-Gen mittels der Multiplex Ligation Dependent Probe Amplification (MLPA)-Methode