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Leydigzell-Hypoplasie

LH-resistentes Ovarsyndrom

Leydigzell-Hypoplasie / LH-resistentes Ovarsyndrom

Gen: LHCGR

Locus: Chromosom 2p21

OMIM-Nummer: 238320

Klinisch-genetische Grundlagen:
Die Leydigzell-Hypoplasie (46,XY) und das LH-resistente Ovarsyndrom (46,XX) sind autosomal-rezessiv vererbte Erkrankungen. LH stimuliert sowohl die testikulären Leydigzellen als auch die Thekazellen des Ovars über den LH-Rezeptor zur Androgen-Produktion. Bei der Frau werden die Androgene in den Granulosazellen des Ovars durch die FSH-abhängige Aromatase zu Östrogenen aromatisiert. Eine Inaktivierung des Rezeptors führt zur Leydigzell-Hypoplasie bzw. zum LH-resistenten Ovarsyndrom und aufgrund des fehlenden oder unzureichenden Feedbacks der Sexualsteroide entwickelt sich ein hypergonadotroper Hypogonadismus.
Eine entscheidende Bedeutung hat der LH-Rezeptor in der Geschlechtsdifferenzierung bei Jungen. Bei fehlender LH-Bindung oder defekter Signaltransduktion bleibt die Testosteronbiosynthese aus und es entwickelt sich ein weiblicher Phänotyp (schwere Form der Leydigzell-Hypoplasie = LCH Typ I). Sind Hormonbindung und/oder Signaltransduktion nur partiell gestört, so kommt es in der Fetalzeit zur Produktion eines verringerten Testosteronspiegels. Der Grad der Inaktivierung des LH-Rezeptors korreliert mit dem sich entwickelten Phänotyp. Dieser kann von einem phänotypisch fast unauffälligen Jungen mit Mikropenis und/oder Hypospadie bis hin zu einem Kind mit intersexuellem Genitale variieren (leichte Form der Leydigzell-Hypoplasie = LCH Typ II).
Frauen mit einem normalen Karyotyp (46,XX) und inaktivierenden Mutationen des LHCGR-Gens weisen eine primäre Amenorrhoe, Zyklusunregelmäßigkeiten oder eine Infertilität auf. Sonographisch findet sich ein kleiner Uterus, die Ovarien können vergrößert sein und Zysten enthalten. Präovulatorische Follikel oder Corpora Lutea lassen sich nicht nachweisen. Zusätzlich weisen die Frauen einen Östrogenmangel auf (Vagina mit dünnen Wänden und eingeschränkte sekretorische Funktion, reduzierte Knochendichte).

 

Häufigkeit:
Keine Angaben

Erbgang:
Autosomal-rezessiv

Indikation:
Genitalfehlbildungen bei Jungen durch eine unzureichende Produktion von Testosteron
Störungen der Geschlechtsentwicklung bei männlichem Karyotyp (46,XY)
Spezielle Formen der primären Amenorrhoe (mit erhöhten LH-Spiegeln)

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur

Dauer der Untersuchung:
6-8 Wochen

Diagnostisches Verfahren:
Mutationsnachweis durch DNA-Sequenzierung nach Polymerase-Ketten-Reaktion

Selbsthilfegruppen:
XY-Frauen (http://www.xy-frauen.de/)