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ALS-Defizienz

(Acid-labile-subunit-deficiency)

ALS-Defizienz
(Acid-labile-subunit-deficiency)

Gen: IGFALS

Locus: Chromosom 16p13.3

OMIM-Nummer: 601489

Klinisch-genetische Grundlagen:
IGF1 ist ein zentrales Protein zur Vermittlung von Wachstumssignalen. Im Körper zirkulierendes IGF1 liegt zum größten Teil als Komplex mit den Bindungsproteinen IGFBP-3 oder IGFBP-5 vor. Das Protein ALS (acid-labile-subunit) hat die Funktion an den IGF1/IGFBP-3-Komplex (oder IGF1/IGFBP-5-Komplex ) zu binden und diesen zu stabilisieren, sodass die Halbwertszeit wesentlich höher ist.
Patienten mit ALS-Defizienz zeigen einen postnatalen Minderwuchs. Dieser ist in der Regel moderat und steht oft in Kontrast zu außergewöhnlich niedrigen IGF1 und vor allem IGFBP-3-Konzentrationen im Serum. Als mittlere Körperlänge geben Domené et al. etwa -2 SD in der Kindheit und -1 SD für Erwachsene an. Weitere Symptome können eine Insulinresistenz und eine verzögerte Pubertät bei Jungen sein. Einige Betroffene entwickeln eine Osteopenie.
Der klassischen ALS-Defizienz liegen homozygote oder compound-heterozygote Mutationen im IGFALS-Gen zugrunde. Der Minderwuchs folgt hier also einem autosomal-rezessiven Erbgang. Die Eltern Betroffener und weitere heterozygote Familienmitglieder sind in der Regel etwas kleiner als Familienmitglieder mit zwei intakten IGFALS-Allelen und zeigen eine leichte Reduktion von IGF1 und IGFBP-3 im Serum. Nach Daten von David et al. (2008) und Scaglia et al. (2009) weisen etwa 10% der Kinder mit idiopathischen Kleinwuchs zumindest eine heterozygote Mutation im IGFALS-Gen auf. Kommen niedrige IGF1-Serumwerte hinzu findet sich eine Mutation in etwa 18%, bei zusätzlich erniedrigtem IGFBP-3 in etwa 56%.
Patienten mit ALS-Defizienz sprechen bei homozygot oder compound-heterozygot vorliegender Mutation schlecht auf eine Therapie mit Wachstumshormon an.

 

Häufigkeit:
Keine Angaben

Erbgang:
Autosomal-rezessiv

Indikation:
V.a. ALS-Defizienz bei:
- moderatem postnatalem Kleinwuchs
- niedrigem IGF1 und sehr niedrigem IGFBP-3 im Serum
- unauffälliger Antwort im GH-Stimulationstest
- ausbleibender Antwort im IGF1-Generationstest
- Insulin-Resistenz

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur

Dauer der Untersuchung:
6-8 Wochen

Diagnostisches Verfahren:
Polymerase-Kettenreaktion mit anschließender Sequenzierung der kodierenden Abschnitte des IGFALS-Gens (Exons 1 und 2 inklusive angrenzender Intronsequenzen); Untersuchung auf größere genomische Aberrationen (Duplikationen oder Deletionen) im IGFALS-Gen mittels der Multiplex Ligation Dependent Probe Amplification (MLPA)-Methode

Literatur:
Domené et al. (2011) Acid-labile subunit (ALS) deficiency. Best Pract Res Clin Endocrinol Metab;25(1):101-13