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IGF1-Defizienz

Insulin like growth factor 1-Defizienz (IGF1-Mangel (vollständig oder partiell), Wachstumsretardierung mit Taubheit und mentaler Retardierung)

IGF1-Defizienz (IGF1-Mangel (vollständig oder partiell), Wachstumsretardierung mit Taubheit und mentaler Retardierung)

Gen: IGF1 (Insulin like growth factor 1, Somatomedin C)

Locus: Chromosom 12q23.2

OMIM-Nummer: 608747

Klinisch-genetische Grundlagen:
Der IGF-1 Defizienz liegen Mutationen im IGF1-Gen zu Grunde. Kinder mit IGF-1-Defizienz zeigen bereits in utero eine Wachstumsretardierung (SGA-Kinder). Postnatal manifestiert sich ein schwerer Minderwuchs. Der Kopfumfang ist ebenfalls zu gering. Kinder mit homozygoter IGF1-Mutation weisen in der Regel zusätzlich eine Entwicklungsverzögerung, eine Taubheit und eine Adipositas auf. Bei heterozygoter Mutation finden sich die genannten assoziierten Symptome in der Regel nicht. Ob sich bei heterozygoten Mutationsträgern ein Minderwuchs ausbildet und wie stark dieser ausgeprägt ist, hängt von der Art der Mutation ab. Bei Betroffenen mit homozygoter Mutation ist IGF-1 im Serum in der Regel nicht nachweisbar und lässt sich auch nicht durch die Gabe von Wachstumshormon stimulieren. Bei Heterozygoten finden sich meist deutlich erniedrigte IGF-1-Werte.
Die schwere IGF-1-Defizienz wird autosomal-rezessiv vererbt. Das Wiederholungsrisiko für Eltern eines betroffenen Kindes für weitere Nachkommen liegt bei formal 25%. Die Eltern sind in der Regel Träger einer heterozygoten IGF1-Mutation. Sie können einen Kleinwuchs aufweisen oder normal groß sein. Der milde IGF-1-Mangel aufgrund einer heterozygoten Mutation im IGF1-Gen wird autosomal-dominant vererbt. Hier finden sich kleinwüchsige Menschen in allen Generationen. Somit ist bei Fällen mit idiopathischem familiären Kleinwuchs an eine IGF1-Mutationen zu denken, wenn das IGF-1 im Serum niedrig ist.
Eine hormonelle Therapie ist grundsätzlich möglich und sollte in enger Abstimmung mit einem Kinderendokrinologen erfolgen.

 

Häufigkeit:
< 1:1.000.000

Erbgang:
Autosomal-rezessiv

Indikation:
Proportionierter Kleinwuchs mit geringer Körperlänge bei Geburt (SGA-Situation) und auffälligen Laborwerten : GH erhöht (kann bei Erwachsenen normal sein), IGF-1 nicht nachweisbar oder niedrig, IGFBP-3 normal, IGF-1 generation test mit aubleibendem oder schwachem Anstieg von IGF-1 und IGFBP-3. Ggf. zusätzlich Taubheit und mentale Retardierung.

Pränatale Diagnostik:
Möglich; Probe bitte vorher ankündigen

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur;
für pränatale Diagnostik Fruchtwasser oder Chorionzottenbiopsat

Dauer der Untersuchung:
3-4 Wochen (Standarddiagnostik)
7-10 Tage (pränatale Diagnostik)

Diagnostisches Verfahren:
Polymerase-Ketten-Reaktion, DNA-Sequenzierung IGF1-Gen (Exon 1-4 incl. angrenzender Intronsequenzen); Untersuchung auf größere genomische Aberrationen (Duplikationen oder Deletionen) im IGF1-Gen mittels der Multiplex Ligation Dependent Probe Amplification (MLPA)-Methode