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Hypokalziurische Hyperkalzämie, familiäre

(FHH, benigne familiäre Hyperkalzämie)

Hypokalziurische Hyperkalzämie, familiäre (FHH, benigne familiäre Hyperkalzämie)

Gen: CASR

Locus: Chromosom 3q13.3-q21

OMIM-Nummer: 145980

Klinisch-genetische Grundlagen:
Die familiäre hypokalziurische Hyperkalzämie (FHH), die auch als benigne familiäre Hyperkalzämie bezeichnet wird, ist eine autosomal-dominant vererbte Erkrankung. Sie beruht auf inaktivierenden Mutationen im Kalzium-Sensing-Rezeptor-Gen (CASR) und weist eine sehr hohe Penetranz von annähernd 100 % auf.
Mutationen in diesem Gen können darüber hinaus ursächlich für andere Erkrankungen sein. So führen beispielsweise inaktivierende Mutationen auch zu einem neonatalen schweren Hyperparathyreoidismus (NSHPT). Aktivierende Mutationen innerhalb des CASR-Gens führen hingegen zu einer autosomal dominanten Hypokalzämie (ADH).
Die familiäre hypokalziurische Hyperkalzämie, die bereits in der frühen Kindheit auftritt, ist durch eine milde, meist asymptomatische Hyperkalzämie und Hypermagnesiämie sowie eine Hypokalziurie und normale bis leicht erhöhte Serum-PTH (i)-Spiegel charakterisiert.
In der Regel ist bei den Patienten keine Therapie notwendig. Eine generelle Ausnahme stellt die Schwangerschaft einer betroffenen Frau dar. In diesem Fall muss die Erkrankung unbedingt berücksichtigt werden, da bei einem nicht betroffenen Neugeborenen innerhalb der ersten Lebenstage das Risiko einer massiven Hypokalzämie besteht. Da die Mutter die endogene PTH-Sekretion stark hemmt, besteht in den ersten Lebenstagen das Risiko einer schweren Hypokalzämie, bis die Hemmung der PTH-Sekretion beim Neugeborenen überwunden ist. Die Entbindung in einem entsprechend erfahrenen Perinatalzentrum wäre für diesen seltenen Fall unbedingt zu empfehlen.

 

Häufigkeit:
Keine Angaben

Erbgang:
Autosomal-dominant

Indikation:
Serum-Kalziumkonzentration > 2,60 mmol/l sowie Kalziumausscheidung im Urin < 100 mg/24 h
Kalzium-/Kreatininclearance < 0,01
als Differenzialdiagnose zum primären Hyperparathyreoidismus (vor Parathyreoidektomie, da sie bei FHH nicht zu einer Normalisierung der Serum-Kalziumspiegel führt)
Molekulargenetische Abklärung vor Eintritt einer Schwangerschaft
Familienuntersuchung

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur

Dauer der Untersuchung:
6-8 Wochen

Diagnostisches Verfahren:
Mutationsnachweis mittels DNA-Sequenzierung nach Polymerase-Ketten-Reaktion sowie Deletionsanalyse mittels Multiplexligationsassay (MLPA)