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Hypokalzämie, autosomal dominante

Hypokalzämie, autosomal dominante (ADH)

Gen: CASR

Locus: Chromosom 3q13.3-q21

OMIM-Nummer: 301199

Klinisch-genetische Grundlagen:
Die autosomal-dominante Hypokalzämie beruht auf aktivierenden Mutationen im Kalzium-Sensing-Rezeptor Gen (CASR).
Darüber hinaus können verschiedenartige Mutationen in diesem Gen auch ursächlich für andere Erkrankungen sein. So führen beispielsweise inaktivierende Mutationen zu einem neonatalen schweren Hyperparathyreoidismus (NSHPT) oder einer familiären hypokalziurischen Hyperkalzämie (FHH).
Patienten mit autosomal dominanter Hypokalzämie weisen ein breites biochemisch-klinisches Spektrum auf, das von einer schweren Hypokalzämie im Kindesalter bis zu leichten bzw. asymptomatischen Ausprägungen im Erwachsenenalter reicht. Die Symptome können u.a. Nierensteine, Niereninsuffizienz und schwere Krampfanfälle umfassen.
Mutationen im CASR-Gen verursachen eine erhöhte Empfindlichkeit der Nebenschilddrüsen- und Nierenzellen für Kalzium, wodurch die Hypokalzämie als normal 'interpretiert' wird. Therapeutische Versuche, den Kalziumspiegel im Blut zu normalisieren, müssen sehr sorgfältig bedacht werden, da jede Anhebung des Kalziumspiegels (auch in den Referenzbereich) von den Nierenzellen als Hyperkalzämie interpretiert wird. Das führt zur Hyperkalziurie mit den Risiken der Nephrokalzinose und des Nierenversagens. Symptomfreie Patienten sollten deshalb nicht behandelt werden. Das Ziel der Behandlung ist es, eine Balance zwischen den klinischen Zeichen der Hypokalzämie und einer niedrignormalen Urinausscheidung des Kalziums zu finden. Zielparameter einer Therapie ist nicht der Kalzium-Blutspiegel sondern die Konzentration des Kalziums im 24 h Sammelurin.

 

Häufigkeit:
Keine Angaben

Erbgang:
Autosomal-dominant

Indikation:
V.a. familiäre Hypokalzämie bei:
- Niedrigem Serum-Kalziumspiegel verschiedener Ausprägung mit inadäquat niedrigem Serum-PTH (i)-Spiegel
- Nephrokalzinose
- Niereninsuffizienz
- Nierensteinen
- Differenzialdiagnose bei V.a. idiopathischen Hypoparathyreoidismus (IHP)
- Familienuntersuchung

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur

Dauer der Untersuchung:
6-8 Wochen

Diagnostisches Verfahren:
Mutationsnachweis mittels DNA-Sequenzierung nach Polymerase-Ketten-Reaktion sowie Deletionsanalyse mittels Multiplexligationsassay (MLPA)