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Hyperthyreose, familiäre

(familiärer Hyperthyreoidismus, nicht-autoimmune Hyperthyreose)

Familiäre Hyperthyreose (familiärer Hyperthyreoidismus, nicht-autoimmune Hyperthyreose)

Gen: TSHR

Locus: Chromosom 14q31.1

OMIM-Nummer: 609152

Klinisch-genetische Grundlagen:
Bei der Mehrzahl der Patienten mit Hyperthyreose sind autoimmune Prozesse ursächlich. Bei einigen Betroffenen findet sich jedoch kein Hinweis auf ein immunologisches Geschehen. Patienten mit familiärer Hyperthyreose zeigen aufgrund eines Defekts im Gen für den TSH-Rezeptor (TSHR-Gen) die typische Symptomatik einer Schilddrüsenüberfunktion und eine diffuse Struma (insbesondere bei älteren Patienten). Die Ausprägung der Schilddrüsenüberfunktion und der Struma ist variabel und reicht von sehr mild bis schwer. Der Erkrankungsbeginn ist ebenfalls sehr variabel, er reicht von der Kindheit bis hinein ins Erwachsenenalter. Die Variabilität des Erkrankungsbildes besteht oft auch intrafamiliär, also bei gleicher zu Grunde liegender Mutation. Autoantikörper sind nicht nachweisbar, der für den autoimmun bedingten M. Basodow typische Exophthalmus fehlt. Die Therapie erfolgt in der Regel chirurgisch oder mit Radio-Iod-Behandlung.
Die familiäre Hyperthyreose folgt einem autosomal dominantem Erbgang. Ursächlich sind sogenannte gain of function-Mutationen, die zu einer Steigerung der Rezeptorfunktion führen. Neumutationen im TSHR-Gen sind beschrieben. Eine unauffällige Familienvorgeschichte schließt eine monogenetisch bedingte Hyperthyreose also nicht aus.

Weitere mit TSHR-Genmutationen assoziierte Krankheitsbilder (bei Verdacht kann ebenfalls eine Analyse des TSHR-Gens erfolgen):
Durch eine bestimmte Mutation im TSHR-Gen ist die erbliche Gestations-Hyperthyreose bedingt. Die zugrunde liegende Genveränderung K183R führt zu einer Hypersensitivität des TSH-Rezeptors auf Choriongonadotropin. Klinisch zeigen die betroffenen Schwangeren in der Regel eine Hyperemesis, es kann zur Thyreotoxikose kommen.
Homozygote und compound-heterozygote loss of function-Mutationen im TSHR-Gen führen zur erblichen neonatalen Hypothyreose Typ 1 (CHNG1). Entsprechend ist der Erbgang autosomal-rezessiv. Die Kinder zeigen das Bild einer Hypothyreose, jedoch keine Struma.

 

Häufigkeit:
1:3.500

Erbgang:
Autosomal-dominant

Indikation:
Hyperthyreose (klinisch und laborchemisch) ohne Exophthalmus und ohne Nachweis von Antikörpern, ggf.
gehäuftes familiäres Auftreten

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur

Dauer der Untersuchung:
6-8 Wochen

Diagnostisches Verfahren:
Mutationsnachweis mittels DNA-Sequenzierung nach Polymerase-Ketten-Reaktion sowie Deletionsanalyse
mittels Multiplexligationsassay (MLPA)