Sie sind hier: Startseite / Genetik / Leistungsverzeichnis-gesamt / HNPP

HNPP

Hereditäre Neuropathie mit Neigung zu Drucklähmungen (hereditary neuropathy with liability to pressure palsies, HNPP)

Hereditäre Neuropathie mit Neigung zu Drucklähmungen (hereditary neuropathy with liability to pressure palsies, HNPP)

Gen: PMP22

Locus: Chromosom 17p12

OMIM-Nummer: 162500

Klinisch-genetische Grundlagen:
Bei Patienten mit HNPP kommt es wiederholt nach inadäquatem Drucktrauma zu einer örtlich begrenzten Lähmung oder Muskelschwäche. Betroffen sind oft die Hände, ähnlich einem Karpaltunnelsyndrom, und die Peroneusmuskulatur mit dem Bild der Fußheberschwäche. Die Lähmungen bilden sich oft innerhalb von Tagen bis Monaten vollständig zurück. In einigen Fällen bleibt jedoch eine, meist nur leichte, Muskelschwäche zurück. Der Auslöser ist nicht immer nachvollziehbar. Auch repetitive Bewegungen z.B. des Handgelenks können ein Auslöser sein. Neben den Drucklähmungen zeigen einige Patienten eine milde bis mittelgradige periphere Neuropathie und ein vermindertes Reflexniveau. Der Erkrankungsbeginn liegt mehrheitlich im jungen Erwachsenenalter (20-40 Jahre). In der Literatur sind jedoch Erstmanifestationen vom Kleinkindesalter bis ins hohe Erwachsenenalter beschrieben.
Die HNPP folgt einem autosomal-dominanten Erbgang. Das Risiko für Nachkommen eines Betroffenen ebenfalls den Gendefekt zu tragen liegt also bei 50%. Ursächlich ist in etwa 80% der Fälle eine etwa 1,5 Mb große Deletion in der Chromosomenregion 17p12 unter Einschluss des PMP22-Gens. Die übrigen Fälle beruhen auf Punktmutationen oder kleinen Deletionen oder Insertionen innerhalb des PMP22-Gens. Die Variabilität des klinischen Bildes ist auch innerhalb einer Familie sehr hoch. Einige Mutationsträger können gar nicht oder nur sehr milde betroffen sein, andere schwer.

 

Prävalenz:
1:2.500

Erbgang:
Häufig: autosomal-dominant; seltener: autosomal-rezessiv, X-chromosomal-rezessiv

Indikation:
V.a. HNPP bei:
- wiederholt auftretenden, örtlichen begrenzten Drucklähmungen
- milder peripherer Neuropathie
- auffälliger Familienvorgeschichte (z.B. ein Elternteil ebenfalls betroffen)

Testung eines (noch)-nicht betroffenen Mitglieds einer Familie mit nachgewiesener HNPP nach ausführlicher genetischer Beratung.

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur

Dauer der Untersuchung:
2-3 Wochen

Diagnostisches Verfahren:
MLPA-Analyse zum Nachweis / Ausschluss einer Deletion des PMP22-Gens. Außerdem werden eine Duplikation
des PMP22-Gens und Duplikationen und Deletionen einzelner Exons des PMP22-Gens erfasst.
Detektionsrate: In 80% der Fälle mit HNPP wird die genetische Ursache nachgewiesen.