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Hämophilie A

(Faktor VIII-Mangel, klassische Hämophilie)

Hämophilie A (Faktor VIII-Mangel, klassische Hämophilie)

Gen: F8

Locus: Chromosom Xq28

OMIM-Nummer: 306700

Klinisch-genetische Grundlagen:
Die Hämophilie A – auch als klassische Hämophilie bezeichnet - ist die häufigste erbliche Störung der Blutgerinnung (1:5.000 bis 1:10.000 männliche Geburten). Sie wird durch einen genetischen Defekt im Gen für den Gerinnungsfaktor VIII (F8-Gen) auf dem X-Chromosom hervorgerufen. Die Folge der Mutation ist eine verminderte oder völlig fehlende Faktor-VIII-Aktivität. Klinische Manifestation ist eine Neigung zu verstärkter/verlängerter Blutung nach Verletzungen. Bei schweren Formen kommt es auch zu Spontanblutungen.
Da die Erkrankung X-chromosomal-rezessiv vererbt wird, betrifft sie fast ausschließlich Männer. Aus der Ehe eines an Hämophilie A erkrankten Mannes mit einer gesunden Frau gehen nur gesunde Söhne hervor, während Töchter Konduktorinnen (Überträgerinnen) sind. Die Ehe einer Konduktorin mit einem gesunden Mann führt bei 50 % der Söhne zur Hämophilie, während 50 % der Töchter Konduktorinnen sind. Krankheitsauslösende Punktmutationen werden mittels DNA-Sequenzierung identifiziert, somit kann auch ein Konduktorinnenstatus eindeutig ermittelt werden.
In 30 - 40 % der Hämophilie A-Fälle beruht die Erkrankung auf Neumutationen, d. h. es gibt keine weiteren Erkrankten in der Familie.

Die Hämophilie A wird in Abhängigkeit vom Verlust an Faktor-VIII-Aktivität in verschiedene Schweregrade eingeteilt:
Schwere Hämophilie A: Faktor-VIII-Aktivität < 1 %
Mittelschwere Hämophilie A: Faktor-VIII-Aktivität 1 - 5 %
Milde Hämophilie A: Faktor-VIII-Aktivität 5 - 15 %
Subhämophilie A: Faktor-VIII-Aktivität 15 - 50 %

Die schweren Formen der Hämophilie A werden in der Regel spätestens im „Krabbelalter“ durch das Auftreten sporadischer Blutungen diagnostiziert. Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass bei Familien mit schwerer Hämophilie A in 45 % der Fälle eine Inversion des Faktor-VIII-Gens die genetische Ursache für die Erkrankung darstellt.

 

Häufigkeit:
1:5.000 - 1:10.000

Erbgang:
X-chromosomal-rezessiv

Indikation:
Abklärung bei klinischem Verdacht auf Hämophilie A
Abklärung eines Anlageträgerstatus bei positiver Familienanamnese
Kinderwunsch und V.a. Hämophilie A oder Konduktorinnenstatus
Pränataldiagnostik bei bekanntem Konduktorinnenstatus der Mutter

Pränatale Diagnostik:
Möglich; Probe bitte vorher ankündigen

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur;
für pränatale Diagnostik Fruchtwasser oder Chorionzottenbiopsat

Dauer der Untersuchung:
Mutationssuche im Faktor-VIII-Gen: 6-8 Wochen
Familienuntersuchung bei bekannter Mutation: 2 Wochen
Pränataldiagnostik: 2 Wochen

Diagnostisches Verfahren:
Mutationsnachweis durch DNA-Sequenzierung nach Polymerase-Ketten-Reaktion. Deletionsanalyse mittels MLPA (multiplex-ligationsabhängige Sondenamplifikation)-Technik

Selbsthilfegruppen:
Deutsche Hämophiliegesellschaft (www.dhg.de)