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Hämochromatose

(HH, Eisenspeicherkrankheit)

Hereditäre Hämochromatose (HH, Eisenspeicherkrankheit)

Gen: HFE

Locus: Chromosom 6p21.3

OMIM-Nummer: 235200

Klinisch-genetische Grundlagen:
Die Hereditäre Hämochromatose ist eine autosomal-rezessiv vererbte Erkrankung des Eisenstoffwechsels und wird auch als Eisenspeicherkrankheit bezeichnet. Unbehandelt führt die Hereditäre Hämochromatose zu Leberzirrhose, Lebertumoren, Diabetes mellitus sowie zu Störungen der Herz- und Pankreasfunktion. Bei einer frühen, möglichst präsymptomatischen Diagnose ist die klassische Hereditäre Hämochromatose jedoch gut behandelbar (Aderlasstherapie).
In Nordeuropa ist die Hereditäre Hämochromatose der häufigste Gendefekt von klinischer Bedeutung. Die Häufigkeit heterozygoter Anlageträger wird mit 4 bis 10 %, die homozygoter Anlageträger mit 1:100 bis 1:400 (0,25 bis 1,0 %) angegeben. Für die klassische HFE-Gen-assoziierte Hereditäre Hämochromatose (Typ 1) sind vor allem die Mutationen p.H63D und p.C282Y relevant. Bei etwa 90% der Patienten mit Hereditärer Hämochromatose ist die Mutation p.C282Y homozygot nachweisbar, bei weiteren 4% die Mutationen p.C282Y und p.H63D compound-heterozygot. Die Homozyogtie für p.H63D geht in der Regel mit keiner Klinik einher. Längst nicht alle Menschen mit Homozygotenstatus für p.C282Y oder compound-Heterozygotenstatus für p.C282Y und p.H63D entwickeln eine manifeste Hereditäre Hämochromatose. Frauen erkranken nur selten vor der Menopause manifest. Von der im deutschsprachigen Raum dominierenden Hereditären Hämochromatose vom Typ 1, werden drei weitere Typen abgegrenzt, die nicht mit Veränderungen im HFE-Gen, sondern mit Mutationen in anderen Genen (z. B. HAMP, TFR2) assoziiert sind.

 

Häufigkeit:
Heterozygote Anlageträger: 4 bis 10 %; Homozygote Anlageträger
: 1:100 bis 1:400 (0,25 bis 1,0 %)

Erbgang:
Autosomal-rezessiv

Indikation:
Diagnosesicherung bei symptomatischen Patienten mit Leberzirrhose, Hepatomegalie, Kardiomyopathie, Diabetes mellitus, Hypogonadismus, bronzefarbenem Hauskolorit, Arthritis und erhöhter Transferrinsättigung
Diagnosesicherung bzw. Differentialdiagnose bei Patienten mit unklaren Symptomen (Müdigkeit, Kardiomyopathie, Diabetes mellitus, Hypogonadismus, Arthritis, Arthralgien, Potenzverlust, Amenorrhoe) und erhöhter Transferrinsättigung
Identifizierung homozygoter Genträger bei positiver Familienanamnese

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur

Dauer der Untersuchung:
1-2 Wochen

Diagnostisches Verfahren:
Mutationsnachweis durch q-PCR des HFE-Gens mit Schmelzkurvenanalyse  Untersuchung in Hinblick auf die Mutationen p.C282Y, p.H63D und p.S65C; Detektionsrate >90%

Literatur:
Stuhrmann, 2004
Bacon, 2001
Camaschella et al., 2002