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Faktor-V-Leiden

(APC-Resistenz)

Faktor V-Leiden Mutation (APC-Resistenz)

Gen: F5

Locus: Chromosom 1q23

OMIM-Nummer: 227400

Klinisch-genetische Grundlagen:
Thromboembolische Ereignisse sind ein potentiell lebensbedrohendes Gesundheitsproblem. Sie betreffen ca. 0,1 % der Bevölkerung.
Menschen mit thromboembolischen Ereignissen lassen sich in zwei Gruppen einteilen:
Patienten mit Grunderkrankungen wie Karzinomen, mit Risikofaktoren, wie z. B. einem chirurgischen Eingriff oder mit einer erworbenen Abnormalität wie z. B. Cardiolipin- Antikörpern.
Patienten mit thromboembolischen Ereignissen ohne die oben genannten Risiken, jedoch mit familiärer Häufung.
Bisher wurden einige genetische Defekte beschrieben: Mutationen im Antithrombin-Gen, Protein S-Gen oder Protein C-Gen, die zu einem Mangel oder einer Dysfunktion führen. Diese Defekte sind eher selten. Häufig ist bei diesen Patientengruppen eine Mutation im F5-Gen zu finden: Die Aminosäure Arginin an Position 506 ist zu Glutamin mutiert. Dieses löst eine Resistenz des aktivierten Faktor V gegenüber aktiviertem Protein C aus. Der Faktor kann nicht mehr inaktiviert werden. Durch diesen Mechanismus wird eine erhöhte Thromboseneigung verursacht.
Patienten mit Faktor V-Leiden Mutation im Heterozygotenstatus haben ein erhöhtes Risiko für Thrombosen, doch nicht jeder Mutationsträger erkrankt im Laufe seines Lebens. Es besteht insbesondere ein Risiko dafür in jüngerem Alter und wiederholt eine Thrombose zu entwickeln. Das Risiko wird durch additive Risikofaktoren wie Rauchen, die Einnahme oraler Kontrazeptiva und langes, abgeknicktes Sitzen deutlich erhöht. Eine Assoziation der maternalen Mutationsträgerschaft mit gehäuften Aborten wird in der Literatur kontrovers diskutiert. Dennoch gehört bei Patientinnen mit habituellen Aborten nach den aktuellen Leitlinien der Ausschluss der Faktor V-Leiden Mutation zum diagnostischen Spektrum der Abklärung. Die Faktor V-Leiden Mutation tritt selten im Homozygotenstatus auf und führt dann zu einem sehr stark erhöhten Risiko für Thrombosen.

Die Ermittlung der Mutation im F5-Gen mit molekularbiologischen Methoden schließt Störfaktoren aus, die bei biochemischen Nachweisverfahren immer wieder auftreten und ist zurzeit die Methode mit der höchsten Spezifität und Sensitivität. Diese Analyse kann auch unter Einnahme von oralen Kontrazeptiva sowie bei Einnahme von Medikamenten, die die Gerinnung hemmen, durchgeführt werden.

 

Prävalenz:
2-15% bei Europäern

Erbgang:
Autosomal-dominant

Indikation:
V.a. Faktor V-Leiden-Mutation bei:
- biochemisch nachgewiesener Resistenz gegen aktiviertes Protein C (APC-Resistenz)
- familiärer Häufung von Thrombosen
- Thrombosen in jungem Lebensalter ohne vorheriges Trauma
- Verschreibung oraler Kontrazeptiva bei Frauen mit Verdacht auf Prädisposition für Thromboembolien
- Zustand vor oder bei Frühschwangerschaft von Frauen mit Verdacht auf Prädispositionen für Thromboembolien
- wiederholten thromboembolischen Ereignissen unbekannter Ursache
- Abklärung habitueller Aborte
- Angehörigen von Indexpatienten

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur

Dauer der Untersuchung:
1 Woche

Diagnostisches Verfahren:
Mutationsnachweis nach Polymerase-Ketten-Reaktion (Taqman-PCR)