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Epileptische Enzephalopathie Typ 1

Frühinfantile Epileptische Enzephalopathie Typ 1 (EIEE, Ohtahara-Syndrom, X-gekoppelte Lissenzephalie mit unklarem Genitale, Corpus callosum Agenesie mit auffäligem Genitale)

Frühinfantile Epileptische Enzephalopathie Typ 1 (EIEE, Ohtahara-Syndrom, X-gekoppelte Lissenzephalie mit unklarem Genitale, Corpus callosum Agenesie mit auffäligem Genitale)

Gen: ARX

Locus: Chromosom Xp21.3

OMIM-Nummer: 308350

Klinisch-genetische Grundlagen:
Mutationen im ARX-Gen können verschiedene klinische Phänotypen hervorrufen. Kinder mit Frühinfantiler Epileptischer Enzephalopathie Typ 1 zeigen in der Regel bereits im 1. Lebensmonat eine Epilepsie mit häufig auftretenden tonischen Spasmen. Die Spasmen treten sowohl im wachen Zustand als auch im Schlaf auf. Das kranielle MRT ist oft auffällig im Sinne verschiedener Hirnfehlbildungen. Typisches Zeichen im EEG ist das suppression-burst pattern. Weitere ARX-assoziierte Erkrankungsbilder stellen die X-gekoppelte Lissenzephalie mit unklarem Genitale und die Corpus callosum Agenesie mit auffälligem Genitale (Kryptorchismus, Hypospadie) dar. Daneben sind einige weitere Erkrankungsbilder mit mentaler Retardierung aufgrund von ARX-Mutationen beschrieben.
Das ARX-Gen ist X-chromosomal lokalisiert. Betroffen sind bei X-chromosomal-rezessivem Erbgang in der Regel nur Jungen. Frauen mit einer Mutation auf einer ihrer beiden ARX-Genkopien erkranken aufgrund des Vorhandenseins einer zweiten unauffälligen Genkopie in der Regel nicht, sind aber Konduktorinnen. Das Risiko für männliche Nachkommen einer Konduktorin betroffen zu sein beträgt 50%. In seltenen Fällen können auch Frauen bei unausgeglichener X-Inaktivierung erkranken.

 

Häufigkeit:
<1.000.000

Erbgang:
Ssporadisch autosomal-dominant; autosomal-rezessiv; X-chromosomal-rezessiv

Indikation:
Jungen mit:
- mentaler Retardierung und fokaler Dystonie der Hände, frühinfantilen Krampfanfällen, Myoklonusepilepsie oder progressiver Spastik
- Entwicklungsverzögerung, schwer therapierbaren Krampfanfällen, unklarem Genitale sowie Hydranenzephalie, Lissenzephalie oder Corpus callosum Agenesie
- mentaler Retardierung und mehreren männlichen ebenfalls betroffenen Verwandten ohne Hinweis auf eine der häufigen Formen einer X-chromosomal bedingten mentalen Retardierung

Pränatale Diagnostik:
Auf Anfrage

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur

Dauer der Untersuchung:
6-8 Wochen (Standarddiagnostik)
7-10 Tage (pränatale Diagnostik

Diagnostisches Verfahren:
Polymerase-Ketten-Reaktion, DNA-Sequenzierung ARX-Gen (Exons 1-5 incl. angrenzender Intronsequenzen); Untersuchung auf größere genomische Aberrationen (Duplikationen oder Deletionen) im ARX-Gen mittels der Multiplex Ligation Dependent Probe Amplification (MLPA)-Methode