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Achondroplasie

Achondroplasie (ACH, alt: Chondrodystrophie)

Achondroplasie
(ACH, alt: Chondrodystrophie)

Gen: FGFR3

Locus: Chromosom 4p16.3

OMIM-Nummer: 100800

Klinisch-genetische Grundlagen:
Die Achondroplasie ist eine autosomal-dominant vererbte Form des Kleinwuchses mit vollständiger Penetranz. Sie ist die häufigste Osteochondrodysplasie und tritt mit einer Häufigkeit von etwa 1:10.000 auf.
Die Erkrankung wird durch Mutationen innerhalb des FGFR3-Gens (fibroblast growth factor receptor 3) verursacht. Dabei handelt es sich in der Regel um Punktmutationen in Exon 7 und 8 des Gens, die zu einer Störung der Knorpelbildung führen, wobei die Epiphysenfuge verfrüht verknöchert. In den meisten Fällen (über 95 %) wird die Mutation Gln380Arg in Exon 8 nachgewiesen, die in einem Austausch der Aminosäure Glutamin gegen Arginin an der Position 380 resultiert. Die Erkrankung ist sehr häufig auf Neumutationen zurückzuführen (ca. 80 %).
Die Achondroplasie fällt bereits bei Säuglingen durch eine Verschiebung der Körperproportionen auf, wobei die Extremitäten verkürzt sind, und der Kopfumfang erhöht ist. Die eingefallene Nasenwurzel ist klinisch charakteristisch. Im weiteren Verlauf der Entwicklung fällt eine erhebliche Verzögerung des Längenwachstums auf, so dass erwachsene Patienten eine durchschnittliche Körpergröße von etwa 115 - 135 cm aufweisen. Der radiologische Befund zeigt im Säuglingsalter das Os ileum noch deutlich quadratisch, die Incisura ischiadica noch hakenförmig verkürzt. Charakteristisch ist auch die Schenkelhalshypoplasie und später die keilförmige Deformierung der oberen Lendenwirbelkörper sowie die Einengung des Spinalkanals. Die kognitive Entwicklung ist in der Regel nicht beeinträchtigt. Erste Skelettauffälligkeiten lassen sich in aller Regel schon pränatal im Ultraschall erkennen.
In Einzelfällen ist eine Therapie mit Wachstumshormonen erfolgreich gewesen. Andere Fälle haben davon nicht profitiert. Es wurden auch Nebenwirkungen mit Nervenläsionen durch Verengung der Foramina intervertebralia oder gar des Foramen magnum beschrieben. Deshalb gilt die Hormontherapie mit Wachstumshormonen in der Regel nicht als indiziert. Operative Verlängerungen der Röhrenknochen sind durchgeführt worden und führten zu einer Erhöhung der Endlänge um bis zu 30 cm.

 

Häufigkeit:
1:10.000

Erbgang:
Autosomal-dominant

Indikation:
V.a. Achondroplasie bei dysproportioniertem Kleinwuchs mit verkürzten Röhrenknochen, prominenter Stirn und flacher Nasenwurzel

Pränatale Diagnostik:
Möglich; Probe bitte vorher ankündigen

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur; für pränatale Diagnostik Fruchtwasser oder Chorionzottenbiopsat

Dauer der Untersuchung:
2-3 Wochen (Standarddiagnostik)
7-10 Tage (pränatale Diagnostik

Diagnostische Verfahren:
Polymerase-Ketten-Reaktion, Sequenzierung der Exons 5, 6, 7 und 8; Detektionsrate 98%.

Selbsthilfegruppen:
Bundesverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien e.V. (http://www.bkmf.de/)
Bundesselbsthilfeverband kleinwüchsiger Menschen e.V. (http://www.kleinwuchs.de/)