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DiGeorge-Syndrom

Mikrodeletion 22q11 (DiGeorge-Syndrom, DGS, Velo-Cardio-Faziales-Syndrom)

Mikrodeletion 22q11 (DiGeorge-Syndrom, DGS, Velo-Cardio-Faziales-Syndrom)

Locus: Chromosom 22q11.2

OMIM-Nummer: 188400

Klinisch-genetische Grundlagen:
Das DiGeorge-Syndrom ist mit einer Häufigkeit von ca. 1:2.000-6.000 das häufigste Mikrodeletionssyndrom. Zugrunde liegt bei den meisten Fällen eine etwa 3 Mb große Deletion in der chromosomalen Region 22q11.2. Dieser Chromosomenstückverlust umfasst in der Regel 25-30 Gene und ist in den meisten Fällen nicht lichtmikroskopisch zu detektieren. 94% der Fälle treten de novo auf. Die Klinik ist sehr variabel. Häufig besteht ein Herzfehler, oft unter Einbezug des linksventrikulären Ausflusstraktes. Betroffene zeigen eine auffällige Fazies mit langem, ovalen Gesicht, gepolstert wirkendem Nasenrücken, schmalen Nasenflügeln, "overfolded" Helices der Ohren, Mikrozephalie und Hypertelorismus. Aufgrund einer velopharyngealer Insuffizienz können eine nasale Sprache und Schluckschwierigkeiten bestehen. Bei Thymushypoplasie leiden einige Kinder unter einer eingeschränkten Immunantwort. Die Patienten neigen zu Hypocalcämien. Gaumenspalten und Augenanomalien finden sich in einigen Fällen. Etwa 30% der Betroffenen weisen eine mentale Retardierung auf. Die Körpergröße ist eher klein.
In seltenen Fällen tritt die Mikrodeletion 22q11.2 nicht de novo auf, sondern wird von einem Elternteil vererbt. Da die klinische Ausprägung auch intrafamiliär sehr unterschiedlich sein kann, sollte bei Nachweis der Deletion bei einem Kind stets eine Untersuchung der Kindseltern empfohlen werden. Dies insbesondere, wenn ein weiterer Kinderwunsch besteht.
Eine Untersuchung ist nicht nur mittels MLPA-Analyse sondern auch mittels FISH-Untersuchung an Lymphozyten oder Fruchtwasser- /Chorionzottenzellen möglich. Vorteil der MLPA-Analyse ist der Einschluss einiger weiterer Mikrodeletionssyndrome mit ähnlichem Phänotyp. Die Mikrodeletion 22q11.2 wird auch durch die Array-CGH-Analyse erfasst, die genomweit Mikrodeletions-und Mikroduplikations-Syndrome detektiert. Dieses Verfahren ist aufwändiger und empfehlenswert, wenn nur ein vager Verdacht auf Vorliegen eines DiGeorge-Syndroms besteht und andere Syndrome mit in die Untersuchung eingeschlossen werden sollen.
Eine kausale Therapie ist nicht möglilch. Die genetische Sicherung der Diagnose ist dennoch wichtig, da sich einige Konsequenzen für die medizinische Betreuung der Patienten ergeben (Impfverhalten; regelmäßige Durchführung von EKG, Audiometrie, US Niere, Plasma Ca-Bestimmung, immunologischen Untersuchungen).

 

Häufigkeit:
1:2.000-1:6.000

Erbgang:
50%-igeWahrscheinlichkeit der Weitergabe

Indikation:
V.a. Mikrodeletion 22q11 bei Herzfehler, auffälliger Fazies, velopharyngealer Insuffizienz, Dysphagie, mentaler Retardierung, eingeschränkter Immunantwort, Hypocalcämie, Augenanomalien (Ptosis etc.) und eher kleiner Körpergröße.

Pränatale Diagnostik:
Möglich; Probe bitte vorher ankündigen

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur;
für pränatale Diagnostik Fruchtwasser oder Chorionzottenbiopsat

Dauer der Untersuchung:
2 Wochen (Standarddiagnostik)
7-10 Tage (pränatale Diagnostik)

Diagnostisches Verfahren:
Multiple Ligation-dependent Probe Amplification (MLPA) nach Polymerase-Kettenreaktion; mit dem Testverfahren werden über 90% aller DiGeorge-Syndrom-Fälle erfasst

Selbsthilfegruppen:
KiDS-22q11 e.V. (http://www.kids-22q11.de/kids22q11_de/html/default/home)

Literatur:
Greenhalgh et al., 2003
Driscoll et al., 1993