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Connexin 26 und 30

Sensorineurale Schwerhörigkeit Typ 1

Sensorineurale Schwerhörigkeit Typ 1
(autosomal rezessiv erbliche Schwerhörigkeit / Taubheit Typ 1A, DFNB1A, Connexin 26-Defekt, Connexin 30-Defekt)

Gen: GJB2 / GJB6

Locus: Chromosom 13q12.11

OMIM-Nummer: 220290

Klinisch-genetische Grundlagen:
Mutationen im GJB2-Gen stellen die häufigste Ursache für eine nicht-syndromale Schwerhörigkeit oder Taubheit mit Beginn vor dem Spracherwerb (prälingualen) dar. Etwa die Hälfte der Fälle mit autosomal-rezessiv vererbter nicht-syndromaler Schwerhörigkeit gehen auf Mutationen im GJB2- oder GJB6-Gen zurück. Beide Gene codieren für Connexine: GJB2 für Connexin 26 und GJB6 für Connexin 30. Mehrere Connexin-Proteine zusammen bilden Gap-Junction-Kanäle. Es wird angenommen, dass diese im Innenohr wichtig sind, um den Potentialunterschied zwischen Endo- und Perilymphe aufrecht zu erhalten. Dabei können die Kanäle nur durch Connexin 26, nur durch Connexin 30 oder gemischt durch Connexin 26 und Connexin 30 gebildet werden. Die häufigste Mutation stellt die Mutation c.35delG im GJB2-Gen dar. Einige Patienten tragen bei digenischer Vererbung eine Mutation im GJB2-Gen und eine Deletion oder Mutation des GJB6-Gens. Deswegen sollte bei Nachweis nur einer Mutation im GJB2-Gen stets eine Untersuchung des GJB6-Gens angeschlossen werden. Homozygote und compound-heterozygote Mutationen des GJB6-Gens sind beschrieben. Für einige Fälle wird eine autosomal-dominante Vererbung der Schwerhörigkeit bei Nachweis nur einer Mutation im GJB2-Gen angenommen.
Die Schwerhörigkeit bei Connexin-Defekt besteht in der Regel seit der Geburt, ist beidseitig, mild bis schwer ausgeprägt und nicht progressiv. Einige Patienten zeigen zusätzlich Hautauffälligkeiten wie eine Keratitis oder Ichtyosis.

 

Häufigkeit:
Keine Angaben

Erbgang:
Autosomal-rezessiv

Indikation:
Nicht-syndromale Schwerhörigkeit mit prälingualem Beginn

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur

Dauer der Untersuchung:
3-4 Wochen

Diagnostisches Verfahren:
Polymerase-Ketten-Reaktion, DNA-Sequenzierung GJB2 und GJB6-Gen (Exon incl. angrenzender Intronsequenzen); Untersuchung auf größere genomische Aberrationen (Duplikationen oder Deletionen) im GJB6 und GJB2-Gen mittels der Multiplex Ligation Dependent Probe Amplification (MLPA)-Methode