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CHARGE-Syndrom

(Hall-Hittner-Syndrom)

CHARGE-Syndrom
(Hall-Hittner-Syndrom)

Gen: CHD7

Locus: Chromosom 8q12.1-q12.2

OMIM-Nummer: 214800

Klinisch-genetische Grundlagen:
Das englische Akronym „CHARGE“ fasst die klassischen klinischen Zeichen des Syndroms zusammen. Typisch für das CHARGE-Syndrom sind Kolobome (coloboma, Spaltbildung im vorderen Augenabschnitt), Herzfehler, Choanalatresie (Verschluss der verbindenden Öffnung zwischen Nase und Rachen), Retardierung von Wachstum und Entwicklung, Genitalfehlbildungen und Ohranomalien (ear). Insbesondere bei Vorliegen eines zyanotischen Herzfehlers und bei Choanalatresie kann es im Neugeborenenalter zu lebensbedrohlichen Zuständen kommen. Das Spektrum der kognitiven Entwicklung ist bei Kindern mit CHARGE-Syndrom sehr breit und reicht von einer schweren mentalen Retardierung ohne Sprachfähigkeiten bis hin zu einer nahezu normalen geistigen Entwicklung. Verhaltensauffälligkeiten sind häufig. Einige Betroffene entwickeln Sehstörungen und / oder eine Schwerhörigkeit. Die Häufigkeit des CHARGE-Syndroms wird mit etwa 1:10.000 angegeben.

Dem CHARGE-Syndrom liegen Mutationen im CHD7-Gen zu Grunde. Die Vererbung erfolgt autosomal-dominant. Betroffene tragen also nur auf einer der beiden CHD7-Genkopien eine Mutation. In der überwiegenden Mehrheit finden sich Neumutationen. Das Wiederholungsrisiko für Nachkommen von Betroffenen liegt bei 50%. Kann bei den Eltern eines Betroffenen keine Mutation nachgewiesen werden, ist aufgrund der Möglichkeit von Keimzellmosaiken ein Wiederholungsrisiko von 1-2% anzunehmen.

 

Häufigkeit:
1:10.000

Erbgang:
Autosomal-dominant

Indikation:
V.a. CHARGE-Syndrom prä- oder postnatal bei:
- Herzfehler (z.B. Fallot-Tetralogie)
- Genitalfehlbildungen
- Ohrfehlbildunge
- Kolobomen des Auges
- Choanalatresie
- geistiger und motorischer Entwicklungsretardierung

Pränatale Diagnostik:
Möglich; Probe bitte vorher ankündigen

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur; für pränatale Diagnostik Fruchtwasser oder Chorionzottenbiopsat

Dauer der Untersuchung:
6-8 Wochen (Standarddiagnostik)
7-10 Tage (pränatale Diagnostik)

Diagnostisches Verfahren:
Polymerase-Kettenreaktion mit anschließender Sequenzierung der kodierenden Abschnitte des CHD7-Gens (Exons inklusive angrenzender Intronsequenzen); Untersuchung auf größere genomische Aberrationen (Duplikationen oder Deletionen) im CHD7-Gen mittels der Multiplex Ligation Dependent Probe Amplification (MLPA)-Methode