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Charcot-Marie-Tooth

Hereditäre Motorisch-Sensorische Neuropathie Typ 1

Hereditäre Motorisch-Sensorische Neuropathie Typ 1
(HMSN1, Charcot-Marie-Tooth-Erkrankung Typ 1, CMT1)

Gen: PMP22

Locus: Chromosom 17p12

OMIM-Nummer: 118220

Klinisch-genetische Grundlagen:
Die HMSN1 stellt eine häufige erbliche Erkrankung des peripheren Nervensystems dar (Prävalenz 1:5.000). Der Erkrankungsbeginn liegt in der Regel zwischen dem 10. und 30. Lebens-jahr. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 12 Jahren. Zunächst sind in der Regel die Unterschenkel und Füße durch atrophische Paresen betroffen. Im Verlauf können dann auch die Hände betroffen sein. Aus der Fußheberschwäche resultiert ein auffälliges Gangbild. Die Sehnenreflexe sind gemindert. Über die Hälfte der Betroffenen zeigen eine Hohlfußhaltung. Die proximale Extremitätenmuskulatur (Oberschenkel und Oberarme) ist in der Regel nicht betroffen. Schmerzhafte Dysästhesien und vasomotorische Beeinträchtigungen können bestehen. Ein Verlust der Sensibilität und des Temperaturempfindens an Händen und Füßen tritt regelhaft auf. Der Verlauf ist gutartig wenn auch langsam progressiv. In der Regel werden die Patienten nicht rollstuhlpflichtig. Die Lebenserwartung ist nicht eingeschränkt.
Eine kausale Therapieoption besteht nicht. Eine orthopädische Betreuung und ggf. Hilfsmittelversorgung ist oft hilfreich. Durch Orthesen lässt sich das Fallen des Fußes beim Gehen verhindern und somit das Gangbild verbessern. Sportliche Betätigung ist, soweit möglich, förderlich. Tägliche Dehnübungen der Achillessehne werden empfohlen, um einer Verkürzung entgegen zu wirken. Übergewicht sollte vermieden werden. Neurotoxische Medikamente sollten vermieden werden. Insbesondere Vinca-Alkaloide (Chemotherapeutikum) sollten nicht gegeben werden.
Die HMSN1 wird autosomal-dominant vererbt, in der Regel ist also auch ein Elternteil des Patienten betroffen. Ursächlich ist in 70-80% der Fälle eine Duplikation des in der Chromosomenregion 17p11.2 gelegenen PMP22-Gens. Bis zu 10% der Patienten weisen eine Mutation im MPZ-Gen auf. Mutationen in anderen Genen (LITAF, EGR2 und NEFL) finden sich deutlich seltener. Praktisch jeder Träger einer PMP22-Duplikation erkrankt. Der Schweregrad der Erkrankung kann jedoch auch innerhalb einer Familie sehr variabel sein.

 

Häufigkeit:
1:5.000

Erbgang:
Vorwiegend autosomal-dominant; autosomal-rezessiv; X-chromosomal

Indikation:
V.a. HMSN1 bei:
- Progressiver motorischer und sensorischer Neuropathie
- Verringerung der Nervenleitgeschwindigkeit
- Auffälliger Familienvorgeschichte (z.B. ein Elternteil ebenfalls betroffen)

    Material und Transportbedingungen:
    2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur

    Dauer der Untersuchung:
    2-3 Wochen

    Diagnostisches Verfahren:
    MLPA-Analyse zum Nachweis / Ausschluss einer Duplikation des PMP22-Gens. Außerdem werdem eine Deletion des PMP22-Gens und Duplikationen und Deletionen einzelner Exone des PMP22-Gens erfasst.