Sie sind hier: Startseite / Genetik / Leistungsverzeichnis-gesamt / Carnitin-Palmitoyl-Transferase-II-Mangel

Carnitin-Palmitoyl-Transferase-II-Mangel

(CPT-II-Mangel)

Carnitin-Palmitoyl-Transferase-II-Mangel
(CPT-II-Mangel)

Gen: CPT2

Locus: Chromosom 1p32

OMIM-Nummer: 600649

Klinisch-genetische Grundlagen:
Der Carnitin-Palmitoyl-Transferase-II-Mangel (CPT-II-Mangel) ist die häufigste autosomal-rezessiv vererbte Erkrankung des Lipidstoffwechsels, der die Skelettmuskulatur betrifft, sowie die häufigste Ursache der erblichen Myoglobinurie.
Die Erkrankung manifestiert sich in zwei klinisch unterschiedlichen Formen. Der milde klassische adulte CPT-II-Mangel wird auch als muskuläre Form bezeichnet. Er tritt im Alter zwischen 15 und 30 Jahren auf und wirkt sich hauptsächlich auf die Skelettmuskulatur aus. Nach Ausdauerleistungen, leichten Infektionen, Fasten und Stresssituationen kommt es zu den typischen Symptomen der Myoglobinurie, Muskelschmerz und Krämpfen, die auch mit akutem Nierenversagen auftreten können. Männer sind von dieser Form der Erkrankung doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Bisher wurde in etwa 60 % dieser Fälle die Ser113Leu-Mutation in homozygoter oder heterozygoter Form identifiziert. Darüber hinaus sind bereits weitere Mutationen bekannt, die einen klassischen adulten CPT-II-Mangel auslösen können.

Die schwere infantile Form des CPT-II-Mangels, die auch als hepatische Form bezeichnet wird, wurde bei Neugeborenen und Kleinkindern bis zu zwei Jahren beobachtet und verläuft meist letal. Klinische Manifestationen wie Kardiomyopathien und akutes Leberversagen sind charakteristisch für diese Fälle. Es sind aber auch hypoketotische Hypoglykämien bekannt. Biochemisch wird die erniedrigte CPT-II-Aktivität sowie eine erniedrigte Carnitinkonzentration nachgewiesen. Innerhalb des CPT2-Gens sind bereits mehrere Mutationen bekannt, die einen infantilen CPT-II-Mangel auslösen können.
Aufgrund der genetischen Heterogenität der Mutationen wird eine sukzessive molekulargenetische Diagnostik in Abhängigkeit von der jeweiligen Form empfohlen. Da die Erkrankung behandelt werden kann, ist eine frühzeitige, bei entsprechendem familiären Auftreten auch präsymptomatische Identifizierung von Betroffenen sowie heterozygoten Anlageträgern sehr sinnvoll.

 

Häufigkeit:
Keine Angaben

Erbgang:
Autosomal-rezessiv

Indikation:
Belastungsabhängige Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Krämpfe, Myoglobinurie bei Jugendlichen und Erwachsenen
Erhöhung der Serum-Enzyme CK, GOT (ASAT), GPT, LDH
Kardiomyopathien, akutes Leberversagen sowie hypoketotische Hypoglykämie bei Neugeborenen und Kleinkindern
reduzierte CPT-II-Enzymspiegel in Leukozyten
Familienuntersuchungen

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur

Dauer der Untersuchung:
1- 2 Wochen (Standarddiagnostik)

Diagnostisches Verfahren:
Mutationsnachweis durch DNA-Sequenzierung nach Polymerase-Ketten-Reaktion.