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Brustkrebs, familiär

Erblicher Brust- und Eierstockkrebs (hereditäres Mamma- und Ovarialkarzinom)

Erblicher Brust- und Eierstockkrebs
(hereditäres Mamma- und Ovarialkarzinom)

Gen: BRCA1, BRCA2, CHEK2, RAD51C

Locus: BRCA1 Chromosom 17q21; BRCA2 Chromosom 13q12.3; CHEK2 Chromosom 22q12.1; RAD51C Chromosom 17q22

OMIM-Nummer: 114480

Klinisch-genetische Grundlagen:
Der Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung der Frau - etwa jede neunte Frau in Deutschland erkrankt daran im Laufe ihres Lebens. Der größte Teil der Brustkrebserkrankungen ist nicht unmittelbar erblich bedingt. Das Erkrankungsalter dieser sporadischen Fälle liegt im Durchschnitt nach dem 60. Lebensjahr.
Bei etwa 4% der Patientinnen liegt jedoch eine ursächliche Veränderung in einem Brustkrebsgen vor. Bei der erblichen Form des Brustkrebses kann die Erkrankung bereits sehr früh auftreten, manchmal schon vor dem 30. Lebensjahr. Typischerweise sind in den Familien mehrere Frauen betroffen. Neben Brustkrebs kann auch Eierstockkrebs in diesen Familien gehäuft vorkommen. Bei männlichen Verwandten kann vermehrt Prostata- und ebenfalls Brustkrebs vorkommen. Wesentlich häufiger tritt beim erblichen Brustkrebs die Erkrankung nacheinander folgend in beiden Brüsten auf. Der Verlauf der Erkrankung – und (im Moment noch) auch die Therapie – unterscheidet sich sonst nicht von einem nicht-erblichen Brustkrebs. Es konnte auch gezeigt werden, dass die Überlebensrate von Frauen mit erblichem Brustkrebs nicht schlechter ist als die von Betroffenen mit sporadisch aufgetretenem Mammakarzinom. Die zwei wichtigsten und am besten erforschten „Brustkrebsgene“ heißen BRCA1 und BRCA2. Seltener sind Mutationen im RAD51C-Gen. Eine Testung ist hier insbesondere dann indiziert, wenn in der Familie sowohl Brust- als auch Eierstockkrebs aufgetreten ist. Trägt eines der Gene eine Veränderung (Mutation) so kann Brustkrebs leichter entstehen. Der Mensch trägt in jeder Körperzelle zwei Kopien von jedem Gen. Beim erblichen Brustkrebs reicht bereits die Mutation in nur einer der beiden Genkopien aus, um eine Erkrankung auszulösen. Ist ein Mensch Träger einer solchen Mutation, so beträgt das Risiko für Nachkommen, das veränderte Gen zu erben 50%.
Das Vorliegen einer Veränderung in einem Brustkrebsgen führt nicht zwangsläufig zu einer Erkrankung. Die Wahrscheinlichkeit einen Krebs zu entwickeln ist jedoch deutlich erhöht. Beispielsweise haben Frauen mit Mutation im BRCA1-Gen ein Risiko von bis zu 85% an Brustkrebs und von bis zu 63% an Eierstockkrebs im Laufe ihres Lebens zu erkranken. Das Risiko für eine spätere Erkrankung auch der anderen Brust liegt für Mutationsträgerinnen bei über 40%.
Die Entscheidung, welche Konsequenzen aus einem Mutationsnachweis gezogen werden, trifft die Patientin in der Regel zusammen mit ihrem betreuenden Gynäkologen. Sinnvoll ist die Teilnahme an einem engmaschigen Früherkennungsprogramm sowohl in Hinblick auf Brustkrebs als auch auf Eierstockkrebs. Einige Frauen entscheiden sich für eine Entfernung der Eierstöcke nach Erfüllung des Kinderwunsches. Dies senkt nicht nur das Risiko an Eierstockkrebs zu erkranken, sondern auch das Risiko für eine (weitere) Brustkrebserkrankung. Die vorsorgliche Entfernung der Brüste ist ein Weg, der ebenfalls von einigen Frauen gewählt wird und das Risiko für Brustkrebs stark reduziert.

 

Erbgang:
Autosomal-dominant

Indikation:
Nach internationalen Richtlinien ist eine genetische Testung indiziert, wenn:
- drei erstgradig Verwandte an Brustkrebs erkrankt sind, oder
- zwei erstgradig Verwandte an Brustkrebs erkrankt sind, von denen eine jünger als 51 Jahre war, oder
- eine Verwandte bei Erkrankung jünger als 36 Jahre war, oder
- eine Verwandte im Alter unter 51 Jahren an einem beidseitigen Brustkrebs erkrankt ist, oder
- in der Familie sowohl Brust- als auch Eierstockkrebs vorliegt, oder
- neben einer Frau auch ein Mann an Brustkrebs erkrankt ist.
Auch wenn die Erkrankte unter 51 J. ist und einen dreifach Rezeptor-negativen Tumor hat, besteht ein erhöhtes Risiko.
Verwandtenuntersuchung bei bekannter Mutation in der Familie

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur

Dauer der Untersuchung:
6 Wochen

Diagnostisches Verfahren:
Polymerase-Kettenreaktion mit anschließender Sequenzierung der kodierenden Abschnitte des BRCA1-, BRCA2-und ggf. RAD51C-Gens (Exons inklusive angrenzender Intronsequenzen); Untersuchung auf größere genomische Aberrationen (Duplikationen oder Deletionen) im BRCA1- und BRCA2-Gen sowie auf die Mutation 1100delC im CHEK2-Gen mittels der Multiplex Ligation Dependent Probe Amplification (MLPA)-Methode; Sensitivität ca. 90%, Detektionsrate 10-40%

Die Diagnostik erfolgt als Stufendiagnostik:
Stufe 1: BRCA1
Stufe 2: BRCA2 und CHEK2 (Mutation 1100delC)
RAD51C auf Sonderanforderung (z.B. Familien mit gehäuft aufgetretenem Ovarialkarzinom)

Selbsthilfegruppen:
BRCA-Netzwerk (http://www.brca-netzwerk.de/)