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Aromatase-Insuffizienz

(weiblicher Pseudohermaphroditismus)

Aromatase-Insuffizienz
(weiblicher Pseudohermaphroditismus)

Gen: CYP19A1

Locus: Chromosom 15q21.1

OMIM-Nummer: 613546

Klinisch-genetische Grundlagen:
Die Aromatase ist ein Enzym, das im Rahmen der Steroidhormonbiosynthese wirkt. Durch die Umwandlung von Androgenen in Östrogene ist sie maßgeblich an der Regulation der Verfügbarkeit von Androstendion bzw. Testosteron auf der einen und Estron (E1) bzw. Estradiol (E2) auf der anderen Seite beteiligt.
Der Aromatase-Mangel ist eine seltene autosomal-rezessiv vererbte Erkrankung, die auf Mutationen innerhalb des CYP19A1-Gens beruht. Betroffene Mädchen fallen nach der Geburt durch eine Störung der Geschlechtsentwicklung auf, da die Androgene nicht aromatisiert werden können und somit zu einer Virilisierung des Ungeborenen führen. Der Karyotyp ist dabei unauffällig weiblich (46,XX). Bei betroffenen Mädchen bleibt die Pubertät aus, ohne Behandlung entwickelt sich eine Osteoporose. Neue Daten geben Hinweise darauf, dass eine Hyperandrogenämie bei Frauen mit und ohne polyzystisches Ovar durch heterozygote Mutationen im Aromatase-Gen verursacht werden kann.
Jungen sind in der Kindheit i.d.R. klinisch unauffällig. Die Diagnosestellung erfolgt häufig erst im Erwachsenenalter bzw. im Rahmen einer Familienuntersuchung. Charakteristisch ist hier ein – im Gegensatz zu nicht betroffenen Familienmitgliedern - leicht unproportionierter Hochwuchs und eine Osteoporose.
Neben einer operativen Korrektur bei den Mädchen sieht die Behandlung eine Hormonersatztherapie bei beiden Geschlechtern vor (bei männlichem Kerngeschlecht Östrogene; bei weiblichem Kerngeschlecht Östrogene und Gestagene).

 

Häufigkeit:
Keine Angaben

Erbgang:
Autosomal-rezessiv

Indikation:
V.a. Aromatase Insuffizienz bei:
- Frauen mit nicht adrenal bedingtem weiblichem Pseudohermaphroditismus, primärer Amenorrhoe oder polyzystische Ovarien
- Männer mit stark erniedrigtem Östrogenspiegel bei erhöhtem Testosteronspiegel und erhöhten Gonadotropinen (LH, FSH) sowie eunuchoidem Körperbau
- Hypergonadotropem Hypogonadismus in Verbindung mit weiteren Charakteristika wie verzögertem Knochenalter bzw. Epiphsyenanomalien, Osteopenie bzw. Osteoporose
- Virilisierungserscheinungen bei der Mutter im Verlauf der Schwangerschaft mit betroffenem Feten
- Familienuntersuchungen

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur

Dauer der Untersuchung:
6-8 Wochen

Diagnostisches Verfahren:
Mutationsnachweis durch DNA-Sequenzierung nach Polymerase-Ketten-Reaktion