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Schilddrüsenhormon-Resistenz

(Familiäre Schilddrüsenhormon-Resistenz, Refetoff-Syndrom)

Schilddrüsenhormon-Resistenz
(Familiäre Schilddrüsenhormon-Resistenz, Refetoff-Syndrom)

Gen: THRB

Locus: Chromosom 3p24.3

OMIM-Nummer: 188570

Klinisch-genetische Grundlagen:
Die familiäre Schilddrüsenhormon-Resistenz (THR), die auch als Refetoff-Syndrom bekannt ist, wird autosomal-dominant vererbt und tritt mit einer Häufigkeit von etwa 1:50.000 in der Bevölkerung auf. Bisher wurde die familiäre Schilddrüsenhormon-Resistenz bereits in mehr als 600 Fällen beschrieben, wobei es sich in etwa 13 % um Neumutationen handelt.
Die Erkrankung beruht auf einer Mutation innerhalb der Hormon-bindenden Domäne des Gens für den Beta-Schilddrüsenhormonrezeptor (THRB-Gen). Dieser Defekt führt zu einem verminderten Ansprechen des peripheren Gewebes auf Schilddrüsenhormone.
Die klinische Ausprägung der Manifestationen ist sehr variabel. Die typische Befundkonstellation zeigt, dass ein erhöhtes TSH nicht durch eine Schilddrüsenhormontherapie normalisiert werden kann, unabhängig davon, ob ein T4- oder ein T3-Präparat gewählt wird. In 85 % der Fälle liegt eine Struma vor. Darüber hinaus können sowohl Anzeichen einer Hypothyreose als auch einer Hyperthyreose vorliegen. Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefizite werden bei ca. 50 % der betroffenen Erwachsenen und bei 70 % der betroffenen Kinder beschrieben. Die entsprechenden Konzentrationsschwierigkeiten können behandelt werden. Kinder weisen häufig auch eine Verzögerung des Knochenwachstums bzw. der Knochenreifung auf.
Aufgrund der erhöhten Schilddrüsenhormonwerte im Serum wird etwa ein Drittel der Patienten irrtümlicherweise thyreostatisch behandelt und somit iatrogen eine hypothyreote Stoffwechsellage herbeigeführt.
Die molekulargenetische Diagnostik steht in diesen Fällen als unkomplizierte Analytik zur Differentialdiagnose zur Verfügung.

 

Häufigkeit:
1:50.000

Erbgang:
Autosomal-dominant

Indikation:
erhöhte freie T3- und freie T4-Werte bei erhöhter oder inadäquat normaler TSH-Konzentration
Differentialdiagnose vor thyreostatischer Therapie bei hohen fT3/fT4-Werten und normalem TSH
Hyperaktivität und Lernschwäche insbesondere bei Kindern
Familienuntersuchungen

Material und Transportbedingungen:
2-5 ml EDTA-Blut, Transport bei Raumtemperatur

Dauer der Untersuchung:
3-4 Wochen

Diagnostisches Verfahren:
Mutationsnachweis durch DNA-Sequenzierung nach Polymerase-Ketten-Reaktion

Selbsthilfegruppen:
Die Schmetterlinge e.V. Schilddrüsenbundesverband (http://www.sd-bv.de/)